Leistenbruch

Mediziner bezeichnen den Leistenbruch als Leistenhernie oder Inguinalhernie. Hernien sind sackartige Ausstülpungen des Bauchfells , die nach einem Bruch der Bauchwand entstehen.

Inguinal bedeutet, den Leistenbereich betreffend. Der Leistenbruch ist die mit Abstand häufigste Form der Hernie. Andere Formen sind beispielsweise der Zwerchfellbruch und die epigastrische Hernie (Bruch der oberen Bauchwand zwischen Bauchnabel und unterem Ende des Brustbeins).

Symptome – Wie erkennt man einen Leistenbruch?

Die Symptome eines Leistenbruches zeigen sich – wie bei anderen Hernien auch – nicht immer auf Anhieb. Zuweilen entwickeln sich Leistenhernien über Monate und Jahre unbemerkt. Symptomatisch werden Leistenbrüche häufig erst, wenn sich ein größerer Bruchsack gebildet hat.

Typisches Symptom für einen solchen Bruchsack ist ein mitunter nur leichter ziehender Schmerz im Bereich der betroffenen Leiste. Charakteristischerweise verstärkt sich dieser Schmerz sich immer dann, wenn der Druck im Bauchraum steigt. Das ist beispielsweise der Fall beim Heben oder Tragen von schweren Lasten, beim Niesen oder Husten sowie beim Pressen während des Stuhlgangs. Bei Frauen strahlen die Schmerzen zuweilen bis in die Scheide aus, bei Männern bis in den Hodensack (Skrotum). Nicht selten ist der Bruchsack (die Bruchgeschwulst) als Schwellung in der Leistengegend auch von außen klar zu sehen und zu ertasten.

Komplikationen

Wie bei anderen Hernien besteht beim Leistenbruch die Gefahr, dass Organe oder Organteile (beispielsweise Darmschlingen) sich im Bruchsack verklemmen oder verdrehen. Mediziner bezeichnen das als Inkarzeration. Durch die Inkarzeration wird das Gewebe im Bruchsack von der Blutzufuhr getrennt und droht abzusterben. Deshalb sind Inkarzerationen ein Notfall, der eine dringende Operation erfordert.

Typische Anzeichen für Inkarzerationen von Leistenbrüchen sind stark zunehmende Schmerzen (insbesondere bei Belastung der Leisten) sowie Übelkeit und Erbrechen.

Wie wird ein Leistenbruch diagnostiziert?

Es gibt bei Leistenhernien mehrere Stadien. Eventuell lässt sich nur eine „weiche Leiste“ feststellen. Das bedeutet, dass die Hinterwand des Leistenkanals erschlafft ist, ohne dass sich eine Vorwölbung provozieren lässt. Das ist zwar noch keine Hernie, begünstigt aber die Entwicklung dazu. Dieses Stadium ist jedoch etwas umstritten. Die erste Stufe ist eine beginnende Hernie. Sie ist fühlbar, aber nicht sichtbar: Nur der untersuchende Finger des Arztes spürt die Vorwölbung beim „Druckmanöver“ (Pressen oder Husten). Eine komplette Hernie ist im Stehen oder beim Pressen sichtbar. Normalerweise lässt sie sich zurückschieben (reponieren). Ist dies nicht mehr der Fall, zeichnet sich womöglich eine Einklemmung ab (siehe oben, Notfall: Abschnitte „Komplikationen“ und „Symptome“). Manchmal sind es aber auch Verwachsungen.

Eine dynamische Ultraschalluntersuchung im Stehen und Liegen mit Pressmanöver und auf beiden Körperseiten (daher die Bezeichnung dynamisch) sichert in der Regel die Diagnose, besonders in schmerzlosen Situationen, weil der Druck durch den aufgelegten Schallkopf hier kein Problem ist. Inzwischen setzen Ärzte auch häufiger ein bildgebendes Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) ein. Außerdem können gegebenenfalls verschiedene Laboranalysen notwendig sein.

Wann ist ein Leistenbruch ein Notfall?

Eine Leistenhernie ist ein Notfall, wenn starke Schmerzen mit Übelkeit und Erbrechen auftreten. Kleinkinder schreien in dieser Situation scheinbar ohne Grund, verweigern die Nahrung und sind sehr unruhig. Erst später wirkt der Bauch aufgetrieben, druckschmerzhaft und prall. In diesem Fall müssen Sie sofort einen Arzt verständigen!

Ursachen – Wie kommt es zu einem Leistenbruch?

Die Bauchwand trennt den Unterleib (Abdomen) vom Brustkorb (Thorax). Die Bauchwand selbst besteht vor allem aus Muskeln, Bändern und Bindegewebe. Die größten Schwachstellen dieser Trennschicht liegen dort, wo andere Strukturen durch die Bauchwand führen. Im zentralen Teil der Bauchwand sind das beispielsweise die Schlagader und die Speiseröhre.

Grundsätzlich sind die Ursachen von Leistenbrüchen danach zu unterscheiden, ob sie im Laufe des Lebens erworben sind oder angeboren.

Ursachen erworbener Leistenbrüche

Im seitlichen Bereich führen rechts wie links die Leistenkanäle durch die Bauchwand. Durch die Leistenkanäle verlaufen vor allem Blut- und Lymphgefäße sowie Nervenbahnen. Zudem liegen dort bei Männern die Samenstränge und bei Frauen das runde Mutterband, das Gebärmutter und Scheide miteinander verbindet.

Leistenbrüche werden vor allem durch starke Belastungen im Bereich der Leistenkanäle verursacht. Bei Männern entstehen diese Belastungen meist vor allem durch starke muskuläre Belastungen, beispielsweise beim Heben. Bei Frauen gehen die meisten Leistenbrüche auf Schwangerschaften zurück.

Begünstigt werden Leistenbrüche bei beiden Geschlechtern vor allem durch Übergewicht, schwache Muskulatur infolge von Bewegungsmangel, chronische Lungenerkrankungen mit dauerhaftem Husten (COPD) sowie die mit dem Alter zunehmende Schwäche des Bindegewebes.

Ursachen angeborener Leistenbrüche

Angeborene Leistenbrüche sind vor allem bei Frühgeborenen häufig. Bei diesen Kindern ist die Entwicklung der Bauchwand noch nicht abgeschlossen. Bei ausgereiften Säuglingen gehen angeborene Leistenbrüche auf eine Entwicklungsstörung während der Schwangerschaft zurück. Die Ursachen dafür sind nicht bekannt.

Behandlung

Die Behandlung von Leistenbrüchen erfolgt fast immer chirurgisch. Ausnahmen sind vor allem angeborene Leistenhernien. Hier wird mitunter abgewartet, ob sich der Leistenbruch nicht noch selbstständig verschließt. Eine andere Ausnahme sind Patienten, denen man die Belastung einer Leistenbruch-Operation nicht mehr zumuten möchte oder kann.

Je nach Art und Größe der Leistenhernie kommen verschiedene Methoden der Leistenbruch-OP infrage. Einige Operationen erfolgen minimal-invasiv, also als endoskopischer Eingriff mit einem kleinen Schnitt. In der Regel aber werden Leistenbrüche mit einem großen Schnitt der Bauchdecke (Laparotomie) unter Vollnarkose versorgt.

Leistenbruch-OP

Eine Leistenbruch-OP gehört zu den Routine-Eingriffen. Zur Anwendung kommen verschiedene Op-Techniken. Dabei unterscheidet man:

  • offene Verfahren: Hier setzt der Arzt einen größeren Schnitt und verlagert den Bruchinhalt zurück in den Bauchraum. Meist wird entweder ein Kunstnetz eingesetzt oder Bindegewebe und Muskulatur genutzt, um einen Rückfall zu vermeiden.
  • minimal-invasive Verfahren: Diese Operationstechniken kommen mit mehreren kleinen Schnitten aus. Meist wird ein Netz zur Stabilisierung eingelegt. Die Rückfallquoten sind hier höher, die Schmerzen aber oft nicht so anhaltend wie nach offenen Operationen.

Welche Methode im Einzelfall am besten geeignet ist, wird der Arzt von Fall zu Fall entscheiden.

Prognose

Die Heilungsaussichten nach einem Leistenbruch sind sehr gut. Etwa 95 Prozent der Patienten verspüren schon kurze Zeit nach einer Leistenbruch-OP keine Beschwerden mehr.

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