Schlaganfall

Ein Schlaganfall ist eine mehr als 24 Stunden anhaltende Störung der Gehirnfunktion aufgrund einer plötzlichen Minderversorgung eines Hirnbereichs mit Blut.

Ein Schlaganfall kann tödlich sein und jede Minute zählt. Falls Sie eine Uhr zur Verfügung haben, merken Sie sich die Uhrzeit, zu der die Symptome begonnen haben, sie ist wichtig für den Rettungsdienst und die weiteren Maßnahmen.

Synonyme

Symptome eines Schlaganfalls

Apoplex, Gehirnschlag, apoplektischer Insult, transitorische ischämische Attacke, TIA

Definition

Beim Schlaganfall (Gehirnschlag, Apoplex, apoplektischer Insult) handelt es sich um eine akut auftretende Funktionsstörung des Gehirns. Ursachen von Schlaganfällen sind plötzliche arterielle Durchblutungsstörungen oder plötzlich auftretende Blutungen im Gehirn.

Schlaganfall ist in Deutschland die dritthäufigste Todesursache nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebserkrankungen. Bei Überlebenden verbleiben sehr oft dauerhafte Schäden. Je eher die gezielte Behandlung nach einem Schlaganfall beginnt, umso besser sind die Aussichten darauf, Tod oder schwere Nachwirkungen zu vermeiden. Aber trotz aller Fortschritte in der Medizin bleiben die therapeutischen Möglichkeiten nach Schlaganfällen im Akutfall begrenzt. Deshalb kommt der Vorbeugung eine sehr bedeutende Rolle zu.

Warnsignale: Schlaganfall früh erkennen

Ein Schlaganfall kann sich durch Warnsignale im Vorfeld ankündigen. Diese Warnsignale ähneln den Symptomen eines Schlaganfalls. Der wesentliche Unterschied: Die Warnsignale verschwinden in der Regel nach einigen Minuten oder wenigen Stunden. Da man zur Zeit des Geschehens nicht weiß, ob die Symptome nur vorübergehender Natur sind, ist es auch in diesem Fall wichtig, sofort den Notarzt zu verständigen. Aus den Warnsignalen kann sich immer auch ein akuter Schlaganfall entwickeln!

Warnsignale für einen möglichen Schlaganfall sind:

  • Taubheitsgefühl in Arm, Bein oder Gesicht
  • Sehstörungen
  • Sprachstörungen/Sprechstörungen
  • Hörstörungen
  • Schluckstörungen.

Bei solchen vorübergehenden Symptomen eines Schlaganfalls sprechen Mediziner von einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA). Hierbei kommt es nur zu einer kurzzeitigen Durchblutungsstörung im Gehirn. Bei Patienten, die bereits eine TIA erlitten haben, ist die Wahrscheinlichkeit, einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich erhöht. Des Weiteren sind bei einer TIA – genau wie bei einem Schlaganfall – bei vielen Patienten Schäden im Gehirn nachweisbar. Auch die Therapien unterscheiden sich nicht wesentlich voneinander. Laut den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie sollte deshalb seit 2005 auch nicht mehr zwischen TIA und einem Schlaganfall differenziert werden.

FAST-Schema bei Verdacht auf Schlaganfall

Auch medizinische Laien können mit einer einfachen Abfolge von Tests schnell die Verdachtsdiagnose Schlaganfall stellen. Dabei gehen Sie am besten nach dem FAST-Schema vor. FAST ist die englische Abkürzung für face (Gesicht), arms (Arme), speech (Sprechen) und time (Zeit).

  • Face
    Fordern Sie den Betroffenen auf, zu lächeln. Bei einem Schlaganfall ist der Mundwinkel zumeist einseitig verzogen.
  • Arms
    Der Betroffene sollte versuchen, seine Arme gleichzeitig mit geöffneten Handflächen nach vorne zu heben (evtl. mit geschlossenen Augen). Bei einem Schlaganfall ist das in der Regel nur einseitig möglich. Ein Arm sinkt ab oder dreht sich nach unten – vor allem bei geschlossenen Augen.
  • Speech
    Fordern Sie den Betroffenen auf, einen einfachen Satz zu wiederholen, zum Beispiel: „Mir geht es gut.“ Oder: „Ich brauche keine Hilfe.“ Bei einem Schlaganfall fällt die Wiederholung schwer, Wörter können nicht direkt formuliert werden oder die Sprache ist verwaschen.
  • Time
    Gibt es auch nur bei einem dieser Tests Auffälligkeiten, sollten Sie keine Zeit verlieren und den Rettungsdienst verständigen. Bitte geben Sie beim Notruf die Verdachtsdiagnose Schlaganfall an. So kann das Rettungsteam zum Beispiel umgehend die Auskunft einholen, in welcher Stroke Unit (spezialisierte neurologische Abteilung für Schlaganfall-Patienten) ein Bett frei ist. Denn bei einem Schlaganfall gilt: Zeit ist Hirn.

Erste Hilfe bei Verdacht auf Schlaganfall

Bis zum Eintreffen des Notarztes sollen Sie Folgendes tun:

  • für Frischluftzufuhr sorgen (Fenster öffnen)
  • keine übermäßige Aufregung aufkommen lassen, Ruhe kommt dem Patienten zugute
  • damit der Patient leichter atmen kann, beengende Kleidung lockern; falls vorhanden, Zahnprothese entfernen; Atemwege freihalten
  • Vorsicht bei Schluckbeschwerden! Nichts zu Essen oder zu Trinken geben, da Erstickung droht.
  • bei Bewusstlosigkeit Patienten in stabile Seitenlage bringen; Herzschlag und Atmung kontrollieren
  • bei Kreislaufstillstand mit Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen und fortführen, bis der Notarzt eintrifft!

Häufigkeit

Schlaganfälle sind keine seltene Erkrankung. Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe gibt die Häufigkeit mit 270.000 Fällen pro Jahr an. Demnach endet jeder 5. Schlaganfall im Laufe der ersten Wochen tödlich. Mehr als 80 Prozent der Schlaganfälle entfallen auf Frauen und Männer im Alter von mehr als 60. Lebensjahren. Aber auch jüngere Menschen sind gefährdet. Nach Angaben der Schlaganfall-Hilfe erleiden jährlich etwa 14.000 Deutsche unter 50 einen Schlaganfall. Darunter sind auch etwa 300 Kinder pro Jahr.

Was sind die ersten Anzeichen für Schlaganfall?

Die Symptome des Schlaganfalls können sehr verschieden sein, je nachdem, welche Hirnregion von dem Schlaganfall betroffen ist. Besonders häufige Symptome des Apoplex sind:

  • Taubheitsgefühl oder Kribbeln in Arm, Bein oder im Gesicht bis hin zu Lähmungen einer ganzen Körperhälfte (dann oft auch herabhängender Mundwinkel oder herabhängendes Augenlid)
  • Sehstörungen (Doppeltsehen, kurzzeitige Erblindung auf einem Auge)
  • Sprachstörungen/Sprechstörungen (undeutliche Aussprache, plötzliches Unvermögen zu sprechen oder die Sprache zu verstehen)
  • Schluckstörungen
  • plötzlich eintretende, starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Bewusstseinsstörungen.

Diese Symptome können auch von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden.

Ursachen

Ursache des Schlaganfalls ist eine Minderdurchblutung des Gehirns beziehungsweise von Hirnbereichen. Schlaganfälle werden dabei nach der Ursache der Minderdurchblutung unterschieden. Ist ein Schlaganfall durch eine Mangeldurchblutung verursacht, spricht man auch vom ischämischen Apoplex. Ist dagegen eine Gehirnblutung die Ursache, handelt es sich um den hämorrhagischen Apoplex.

Sowohl bei einer Minderdurchblutung als auch bei einer Gehirnblutung werden die Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Zunächst verlieren die Nervenzellen ihre Funktion und sterben dann zunehmend ab.

Schlaganfall durch Mangeldurchblutung

Die mangelnde Durchblutung (Ischämie) des Gehirns wird durch ein verstopftes oder stark verengtes Blutgefäß verursacht. Dabei kann es sich entweder um ein Gefäß handeln, das zum Gehirn führt – oft ist die Halsschlagader betroffen – oder um ein Gefäß, das sich direkt im Gehirn befindet. Wenn durch die mangelnde Durchblutung Hirngewebe abstirbt, spricht man vom Hirninfarkt oder Schlaganfall.

Der Gefäßverschluss kann durch einen sogenannten Thrombus erfolgen: Dies ist ein Blutgerinnsel, das sich direkt in einem Gefäß bildet und dieses komplett verschließt oder zumindest stark verengt. Es kann sich auch ein Teil von einem Blutgerinnsel, meist aus der Halsschlagader, lösen. Der sogenannte Thrombus gelangt dann mit dem Blutstrom zum Gehirn und verstopft dort ein Gefäß. In diesem Fall spricht man auch von einem Embolus. Ein solcher Embolus kann sich auch von einem Blutgerinnsel im Herzen lösen.

Besonders gefährdet sind Patienten mit Herzklappenerkrankungen. Aus diesem Grund ist es zum Beispiel nötig, bei künstlichen Herzklappen die Gerinnungsfähigkeit des Blutes durch Medikamente herabzusetzen.

Ein Gefäß kann jedoch auch von außen, zum Beispiel durch einen Tumor, eingeengt beziehungsweise abgedrückt werden. Die daraus resultierende Minderdurchblutung der zu versorgenden Hirnbereiche führt dann ebenfalls zum Schlaganfall.

Schlaganfall durch Gehirnblutung

Eine Gehirnblutung kann entweder durch ein gerissenes Blutgefäß verursacht werden oder durch eine geplatzte Ausstülpung (eine Gefäßwandveränderung) eines Blutgefäßes. Eine solche Ausstülpung ist oft angeboren und wird Aneurysma genannt. Sie kann aber auch erst im Laufe der Zeit entstehen.

Ursache für das Platzen eines Blutgefäßes ist meist ein jahrelanger hoher Blutdruck in Kombinationen mit fortschreitender Arteriosklerose. Die Arterienverkalkung macht die Blutgefäße spröde und unelastisch, sodass sie leichter reißen können. Erhöhter Blutdruck belastet die Gefäße dann oft über Gebühr. Deshalb ist die Behandlung von Bluthochdruck von äußerster Wichtigkeit! Gerade weil der Patient meist nichts von seiner Erkrankung spürt, sind Vorsorgeuntersuchungen sehr wichtig.

Risikofaktoren für Schlaganfall

Die folgenden Risikofaktoren begünstigen einen Schlaganfall:

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Gefäßverkalkung (Arteriosklerose)
  • zu hoher Cholesterinspiegel
  • Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus)
  • Stress
  • Rauchen
  • bestimmte Herzerkrankungen (z.B. Herzklappenerkrankungen)
  • mangelnde Bewegung
  • übermäßiger Alkoholkonsum
  • vermehrtes Vorkommen von Schlaganfällen bei jüngeren Angehörigen in der Familie zunehmendes Lebensalter
  • Übergewicht
  • Einnahme hormonaler Kontrazeptiva („Pille“).

Behandlung

Die ärztliche Behandlung des Schlaganfalls besteht zunächst aus Notfallmaßnahmen, die sich nach der Ursache des Schlaganfalls richten. So müssen Blutungen im Gehirn beispielsweise operativ gestoppt werden. Bei einer Verstopfung oder Verletzung der in das Gehirn führenden Blutgefäße müssen diese operativ versorgt werden.

In jedem Fall gilt, dass die Behandlung des Schlaganfalls so schnell wie möglich beginnen sollte. Das steigert nicht nur die Überlebensrate, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, die Folgen des Schlaganfalls zu mindern oder im Zuge der Nachbehandlung etwaige Funktionsverluste rückgängig zu machen.

Nach dem Schlaganfall

In der Regel ist eine Nachbehandlung des Schlaganfalls, die sogenannte Rehabilitation notwendig. Zur Schlaganfall-Reha gehört in der Regel auch eine Medikation mit blutdrucksenkenden Wirkstoffen (wie Ramipril oder Metoprolol) oder blutzuckerspiegelsenkenden Mitteln (wie Glimepirid, Sitagliptin oder Metformin), blutverdünnenden Medikamenten (wie Acetylsalicylsäure und Clopidogrel) und Gerinnungshemmern (zum Beispiel Phenprocoumon oder Warfarin) sowie cholesterinsenkenden Wirkstoffen aus der Gruppe der Statine wie Atorvastatin, Fluvastatin, Lovastatin oder Pravastatin, um weitere Schlaganfälle zu vermeiden beziehungsweise um Risikofaktoren zu verringern.

Schwerpunkt der Schlaganfall-Reha aber ist es, verloren gegangene Fähigkeiten und Funktionen wiederherzustellen. Dazu dienen beispielsweise Physiotherapie, Krankengymnastik und Sprechtraining. Auch eine psychologische Therapie kann dazu beitragen, die Folgen eines Schlaganfalls zu bewältigen oder beispielsweise eine Depression als Folge des Schlaganfalls zu vermeiden.

Nachbehandlung in Reha-Kliniken

Die Nachbehandlung eines Schlaganfalls stellt in der Regel sehr hohe Anforderungen an den Patienten, aber auch an die Ärzte, Therapeuten und Pflegekräfte. Um möglichst gezielt und kompetent in der Reha zu arbeiten, ist ein Aufenthalt in einer spezialisierten Reha-Klinik in der Regel der bestmögliche Weg.

Krankheitsverlauf

Die Prognose nach einem Schlaganfall hängt wesentlich von Ausmaß, Lage und Ursache der Gehirnblutung bzw. der Mangeldurchblutung ab. Insofern lassen sich Überlebenschancen und Heilungsaussichten nicht generell beurteilen.

Im Durchschnitt aller ca. 270.000 Fälle jährlich verstirbt etwa jeder 5. Betroffene während der ersten Wochen nach dem Schlaganfall. Zwei Drittel der Überlebenden bleiben nach Angaben der Deutschen Schlaganfall-Hilfe pflegebedürftig. Jeder 7. Überlebende muss demnach dauerhaft in einer speziellen Pflegeeinrichtung versorgt werden.

Vorbeugung

Sie können einem Schlaganfall nicht zuverlässig vorbeugen. Aber das Risiko lässt sich deutlich senken, indem Sie die Risikofaktoren minimieren:

  • regelmäßig Blutdruck, Blutzucker- und Cholesterinspiegel kontrollieren lassen
  • bei erhöhtem Cholesterinspiegel auf cholesterinarme Ernährung achten
  • Diabetes gut einstellen
  • negativen Stress vermeiden
  • nicht rauchen
  • für ausreichend Bewegung sorgen
  • Alkoholmissbrauch meiden, Alkoholismus behandeln
  • Übergewicht abbauen
  • bei Einnahme der „Pille“ nicht noch zusätzlich rauchen; evtl. andere Methode der Empfängnisverhütung wählen
  • vom Arzt verordnete Medikamente gegen Vorerkrankungen nach genauer Vorschrift anwenden
  • auf gesunde Ernährung achten: viel frisches Obst und Gemüse, wenig Fett.

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