Magersucht

Auffälligstes Merkmal der Krankheit ist Untergewicht, das – oft innerhalb kurzer Zeit – selbst herbeigeführt wird.

Typisches Zeichen der Magersucht ist ein selbst verursachter Gewichtsverlust bis hin zum Untergewicht. Betroffene hungern, schränken ihre Speisenauswahl ein oder treiben exzessiv Sport, manche erbrechen oder missbrauchen Abführmittel, um abzunehmen. Magersüchtige sehen ihren Körper verzerrt, leiden an einer Körperschemastörung: Obwohl sie schlank sind, fürchten sie, zu dick zu sein oder rasch wieder zuzunehmen.

Magersucht (Anorexia nervosa) ist die häufigste und gefährlichste Form der Essstörungen. Besonders oft betroffen sind junge Frauen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Jeder 7. Magersüchtige stirbt innerhalb von 20 Jahren Erkrankungsdauer. Lernen Sie Symptome, Ursachen und Anzeichen von Magersucht kennen. Und lesen, wie Sie mit Magersüchtigen ins Gespräch kommen, um eine Therapie von Essstörung zu ermöglichen.

Synonyme

Anorexie

Definition Magersucht (Anorexie)

Wie die Bezeichnung es sagt: Magersucht hat Suchtcharakter. Es zählt zu den Krankheitszeichen, dass Magersüchtige ihren Körper nicht mehr so wahrnehmen, wie er tatsächlich aussieht. Magersüchtige hungern so lange, bis sie nur noch aus Haut und Knochen zu bestehen scheinen. Und sie empfinden sich dabei immer noch als viel zu dick.

Mitunter stehen Magersüchtige unter einem erheblichen Leidensdruck, der sich auch in begleitenden psychischen Störungen wie Depressionen oder Borderline-Symptomatik äußert. Das ist jedoch nicht zwingend so.

Magersucht endet häufig tödlich

Magersucht ist auch deshalb die gefährlichste Essstörung, weil sie besonders häufig tödlich endet. Anorexie ist sogar die häufigste Todesursache bei Mädchen und jungen Frauen. Gut 5 Prozent der Betroffenen versterben innerhalb von 5 Jahren Erkrankungsdauer. Nach 20 Jahren steigt die Quote der Todesfälle auf 15 Prozent.

Einerseits sterben Magersüchtige an den Folgen ihrer Sucht: Manche hungern sich zu Tode, häufig sind aber auch Herz- oder Organversagen durch jahrelange Minderversorgung. Auch ist die Selbstmordrate bei Magersüchtigen deutlich höher als bei gesunden Menschen.

Häufigkeit

Die Deutsche Gesellschaft für Essstörungen schätzt, dass etwa 6 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht erkrankt.

Symptome

Hervorstechendstes Symptom von Magersucht ist der fortwährende Gewichtsverlust. Magersüchtige verweigern die Nahrung oder beschränken sie auf ein Minimum, das die Betroffenen gerade noch am Leben hält. Um möglichst wenig zu essen beziehungsweise möglichst wenig Kalorien zu verwerten, werden auch Abführmittel und Appetitzügler eingesetzt. Typischerweise betreiben Magersüchtige exzessiv Sport und erscheinen auch im Alltag hyperaktiv.

Körperschemastörung

Die Wahrnehmung der eigenen Person ist bei Magersucht ausschließlich auf das Gewicht ausgerichtet. Magersüchtige wollen immer weiter abnehmen. Sie sehen vor allem an Bauch, Beinen, Po und Hüften Fettpolster, die schon lange keine mehr sind oder nie da waren. Psychologen sprechen von einer Körperschemastörung: Wenn Magersüchtige in den Spiegel sehen, sehen sie nicht die Realität, sondern ein krankhaft verzerrtes Bild.

Weiteres maßgebliches Symptom von Magersucht ist, dass die negativen Auswirkungen des Hungerns wie Mangelerscheinungen ausgeblendet und somit nicht mehr wahrgenommen werden. Die Gedanken kreisen ausschließlich um das Gewicht und die Figur.

Symptome von Magersucht

  • Body-Mass-Index kleiner als 17
  • häufig kalte Hände und Füße infolge von mangelnder Durchblutung (Körper schaltet auf Sparflamme)
  • Verstopfung
  • Haarausfall
  • trockene und schuppige Haut, Haarwachstum an Armen, Rücken und im Gesicht
  • Knochenschwund (Osteoporose)
  • Karies
  • Ödeme (Wasseransammlungen im Gewebe)
  • Aufmerksamkeits- und Konzentrationseinbußen wegen schrumpfender Hirnmasse
  • Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden durch Mineralstoffmangel
  • niedriger Blutdruck, Blutarmut, Unterzuckerung
  • stark erhöhte Infektanfälligkeit
  • Zyklusstörungen wie ausbleibende oder unregelmäßige Periode bei Mädchen und Frauen
  • Potenzstörungen bei Männern.

Anders als bei anderen „heimlichen“ Essstörungen wie Bulimie oder Binge-Eating werden die Anzeichen für Magersucht verhältnismäßig schnell offenkundig, nämlich durch den rasch fortschreitenden Gewichtsverlust.

Magersüchtige kontrollieren ihr Verhalten sehr konsequent. Dabei wird alles dem Ziel untergeordnet, nicht zuzunehmen oder weiter abzunehmen. Dazu beschäftigen sich Magersüchtige fortwährend stärker und ausschließlicher mit Ernährung und Essen. Magersüchtige können beispielsweise stundenlang die Zutatenliste eines Fertiggerichtes studieren. Oder sie sitzen ebenso lange vor einer kleinen Mahlzeit, die sie in kleinsten Häppchen zu sich nehmen.

Zu den typischen Anzeichen von Magersucht zählt, dass die Betroffenen solche Verhaltensweisen für völlig normal halten. Das gilt auch für mehrfaches tägliches Wiegen. Die Verhaltensweisen von Magersüchtigen sind geprägt von der übermächtigen Angst, auch nur ein paar Gramm zuzunehmen. Deshalb ist es durchaus typisch, dass Magersüchtige mehrfach täglich ihr Gewicht kontrollieren.

Ursachen

Magersucht ist eine sehr schwere und ernsthafte Erkrankung, der keine einfache Ursache zugeschrieben werden kann. Dem gegenwärtigen Stand der Forschung nach spielen erbliche Faktoren ebenso eine Rolle wie traumatische Erfahrungen und soziale Einflüsse, beispielsweise durch Schönheitsideale in der Werbung.

Das Internationale Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) München hat in Zusammenarbeit mit dem Bundesfachverband Essstörungen (BFE) 241 Mädchen und junge Frauen im Alter zwischen 11 und 21 Jahren befragt. Alle Teilnehmer der Studie waren während der Befragung wegen Magersucht oder Bulimie in therapeutischer Behandlung. Der Studie zufolge haben zahlreiche Sendungen einen Einfluss auf die Essstörungen der befragten Mädchen. Ein Drittel der Mädchen sagte beispielsweise, die Show „Germanys Next Top-Model“ habe einen sehr starken Einfluss auf die Entwicklung ihrer Essstörung gehabt. 85 Prozent aller Studienteilnehmerinnen stimmten der Aussage zu, die Show könne Essstörungen verstärken.

Behandlung

Die Therapie von Magersucht gehört in die Hände erfahrener Experten. In der Regel ist eine stationäre Behandlung die beste Wahl. Das gilt vor allem für fortgeschrittene Fälle von Magersucht, bei denen mitunter neben der psychologischen Therapie eine intensive ärztliche Behandlung und Überwachung nötig ist.

Mit magersüchtigen Menschen umgehen

Magersüchtige empfinden sich – selbst bei für andere deutlich wahrnehmbaren körperlichen Schäden – nicht als krank. Von daher ist es für das Umfeld sehr schwer, mit Magersüchtigen über die Krankheit ins Gespräch zu kommen und eine dringend notwendige Behandlung schon früh in die Wege zu leiten. Selbst bei größter körperlicher Schwäche wehren sich die Betroffenen in der Regel, über eine mögliche Erkrankung oder gar eine Behandlung zu sprechen.

Wegen des widersprüchlichen Verhaltens ist der Umgang mit Betroffenen schwer: Einerseits lehnen Magersüchtige Nahrung ab, beschäftigen sich aber rund um die Uhr damit. Ihre Gedanken umkreisen unaufhörlich um ihr Aussehen, sie lehnen aber ihren Körper ab. Sie fordern Unabhängigkeit und wollen selbstständig für ihr Handeln verantwortlich sein, zwingen jedoch durch ihr Verhalten regelrecht zur Beobachtung und Kontrolle durch Andere. Diese Widersprüchlichkeit ist beispielhaft für Magersucht.

Vor allem Familien leiden oft sehr stark unter Fällen von Magersucht. Fast immer sorgt die Erkrankung für heftige Konflikte, die mit Sorge, Enttäuschung und Wut bei allen Beteiligten einhergehen. Ein Patentrezept für die Bewältigung dieser Konflikte gibt es nicht. In jedem Fall sollten vor allem die Eltern auf Schuldzuweisungen und Selbstvorwürfe verzichten.

Grundsätzlich empfehlenswert ist es, Hilfe in Beratungsstellen und bei Selbsthilfegruppen für Angehörige von Menschen mit Essstörungen zu suchen. Häufig finden sich dort auch von Magersucht Betroffene, die bereit sind, mit anderen Magersüchtigen in ein Gespräch zu finden.

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