Bluthochdruck

Bluthochdruck (arterielle Hypertonie) steht schon länger auf der Top-Ten-Liste der bedrohlichen Krankheiten weltweit.

Die gute Nachricht: In Deutschland hat sich die Zahl der Patienten, die dank Behandlung wieder den Normalbereich erreichen – nach derzeitiger Definition Blutdruckwerte bis 139/89 mmHg –, seit 2008 fast verdoppelt.

Umgekehrt heißt das aber auch: Ein nicht geringer Teil der Patienten ist noch nicht zufriedenstellend behandelt. Allgemeines Ziel bei der Therapie bleibt daher, zuverlässig Werte unter 140/90 mmHg zu erreichen, nach Möglichkeit sogar unter 130/80 mmHg. Genauer: Patienten unter 65 Jahren sollten sich mit ihren systolischen Blutdruckwerten zwischen 120 und 129 mmHg einpendeln – wenn sie es gut vertragen. So die neuen Empfehlungen. Mehr dazu im Kapitel „Bluthochdruck (Hypertonie): Therapie“.

Blutdruck Normalwerte nach Alter

Synonyme

Hypertonie, Bluthochdruck, hoher Blutdruck

Definition

Als Bluthochdruck (Hypertonus) wird der erhöhte Druck in den arteriellen Blutgefäßen bezeichnet. Die Erkrankung bezeichnen Mediziner als „Arterielle Hypertonie“ oder Hypertonie. Das Gegenteil dazu ist eher unbedenklicher niedriger Blutdruck (Hypotonie).

So entsteht der Blutdruck

Das Blut wird vom Herzen über die Aortenklappe in die Arterien ausgeworfen. Der Druck des strömenden Blutes auf die Arterienwände heißt Blutdruck. Die Höhe des Blutdrucks hängt von der Pumpleistung des Herzens und dem Durchmesser der Gefäße ab.

Bei körperlicher Anstrengung oder Aufregung steigt der Blutdruck an, in Ruhe sinkt er wieder ab. Das ist in bestimmten Grenzen völlig normal und auch wünschenswert. Ein dauerhaft erhöhter Blutdruck, das heißt auch in Ruhe, ist ungesund. Die Definition, ab wann ein Blutdruck zu hoch ist, wird von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) festgelegt.

Blutdruck messen

Der Blutdruck wird in Zahlen angegeben, zum Beispiel 120/80 mm Hg (Millimeter Quecksilbersäule), gesprochen 120 zu 80. Diese zwei Werte entstehen wie folgt:

  • Der systolische Wert ergibt sich, wenn sich das Herz zusammenzieht und das Blut in die Arterien drückt, also während der Pumpphase).
  • Der diastolische Druck entsteht, wenn sich das Herz entspannt und sich die Herzkammern wieder mit Blut füllen. Mediziner sprechen von der Erholungsphase.

Wann ist Blutdruck zu hoch?

Blutdruckwerte

Hypertonie nach Werten der WHO Die Vorgabe für die Definition der Hypertonie kommt von der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Aktuell (Stand Juli 2015) gelten laut WHO ein systolischer Wert von mindestens 140 mm Hg und ein diastolischer Blutdruckwert von ≥ 90 mm Hg als hyperton – ein Blutdruck ab 140/90 mm Hg ist also erhöht. Nach dieser Definition muss die Blutdruckerhöhung jedoch dauerhaft bestehen und darf nicht nur vorübergehend sein.

Einige Wissenschaftler weisen darauf hin, die WHO-Hypertonie-Werte seien willkürlich festgelegt. Ob ein Blutdruck zu hoch sei oder nicht, könne nur bei einer Gesamtbetrachtung des Gesundheitszustandes eines Patienten bestimmt werden. Im Wesentlichen hat sich die Sichtweise der WHO in der Schulmedizin aber durchgesetzt.

Symptome

Ein erhöhter Blutdruck macht sich anfangs häufig gar nicht bemerkbar. Die betroffenen Personen fühlen sich oft sogar besonders fit und munter. Erst sehr hoher Blutdruck löst mitunter Beschwerden aus. Typische Symptome bei Hypertonie sind Kopfschmerzen (häufig morgens), Schwindel, Übelkeit, Gesichtsrötung, Nasenbluten, Schlaflosigkeit, Abgeschlagenheit und Ohrensausen (Tinnitus).

Bluthochdruckkrise (hypertensive Krise)

Extrem hohe Blutdruckwerte (über 230/130 mmHg) führen zu einer Bluthochdruckkrise. Dann wird es kritisch. Der Betroffene leidet unter Atemnot und Krampfanfällen, das Bewusstsein wird getrübt, schlimmstenfalls fällt er ins Koma. Zudem besteht die Gefahr von Organschäden (wie akutes Herzversagen, Herzinfarkt oder Lungenödem) oder eines Hirnschadens (z.B. Schlaganfall und Hochdruck-Enzephalopathie), selten reißt sogar die Hauptschlagader (Aortendissektion).

Bluthochdruck als Risikofaktor

Eine langjährige Hypertonie kann ernsthafte Folgen bzw. Komplikationen nach sich ziehen. So ist Bluthochdruck zum Beispiel ein anerkannter Risikofaktor für Arteriosklerose. Bluthochdruck in Verbindung mit starkem Übergewicht, Diabetes oder Fettstoffwechselstörungen erhöht zudem deutlich die Gefahr, Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu bekommen. Zu diesen Erkrankungen zählen:

  • Koronare Herzkrankheit (KHK)
  • Herzinfarkt
  • Herzinsuffizienz
  • Schlaganfall
  • Nierenversagen
  • Arterielle Verschlusskrankheit (pAVK).

Mittlerweile stirbt jeder 2. Deutsche vorzeitig an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung.

Ursachen

Bei der überwiegenden Zahl der Hochdruckpatienten kann keine eindeutige Ursache für den erhöhten Blutdruck festgestellt werden. Mediziner nennen diesen Bluthochdruck „essentielle Hypertonie“. Verursacht eine andere Erkrankung den hohen Blutdruck, wird von „sekundärer Hypertonie“ gesprochen. Während der Schwangerschaft kommt es ebenfalls häufig zu erhöhtem Blutdruck (zum Beispiel bei der Schwangerschaftsvergiftung).

Risikofaktoren

Die essentielle Hypertonie kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden. Neben einer genetischen Komponente spielt auch der Lebensstil eine große Rolle. Folgende Faktoren erhöhen das Risiko für eine essentielle Hypertonie:

  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • hoher Salzkonsum
  • Rauchen
  • übermäßiger Alkoholgenuss
  • Stress
  • Fettstoffwechselstörungen (z.B. erhöhter Cholesterinspiegel)
    erbliche Veranlagung.

Die Diagnose „essentielle Hypertonie“ darf erst gestellt werden, wenn andere Ursachen für den erhöhten Blutdruck ausgeschlossen wurden.

Ursachen einer sekundären Hypertonie

Erkrankungen, die häufig einen Bluthochdruck verursachen, sind:

  • Nierenerkrankungen (wie Glomerulonephritis, Zystennieren, diabetische Nephropathien oder Nierenarterienverengungen)
  • Gefäßerkrankungen (wie Arteriosklerose oder angeborene Missbildungen der Hauptschlagader)
  • Hormonstörungen (wie Cushing-Syndrom, Erkrankungen der Nebennierenrinde, Phäochromozytom oder Diabetes)
  • Schlafapnoesyndrom.

Auch Medikamente, zum Beispiel hormonelle Verhütungsmittel (Antibabypille) oder Kortison, können Bluthochdruck verursachen.

Untersuchung

Um Folgeschäden und Komplikationen durch Bluthochdruck zu vermeiden, sollte die Therapie von Hypertonie so früh wie möglich beginnen. Hoher Blutdruck wird einfach mit einer ersten und zweiten Blutdruckmessung festgestellt. Bei Verdacht auf Hypertonie folgt eine 24-Stunden-Blutdruckmessung. Im weiteren Verlauf sollten Blutuntersuchungen, Augen- und Urinuntersuchungen, ein Elektrokardiogramm (EKG) und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens sowie der Hals- und Beingefäße veranlasst werden.

Um andere Erkrankungen als Ursache von Hypertonie auszuschließen, helfen zudem bildgebende Verfahren wie CT oder MRT. Natürlich ist für die Diagnose von Bluthochdruck nicht immer das komplette Spektrum dieser Untersuchungsmethoden notwendig.

Behandlung

Zur medikamentösen Therapie der Hypertonie werden sogenannte Blutdrucksenker gegeben. Es gibt eine ganze Reihe von blutdrucksenkenden Medikamenten, die unterschiedlich wirken. In Deutschland nehmen täglich mehr als 15 Millionen Frauen und Männer Medikamente gegen Bluthochdruck ein.

Medikamente gegen Bluthochdruck

Die Auswahl des geeigneten Medikamentes hängt unter anderem vom Alter, den Vor- und Begleiterkrankungen sowie vom Ansprechen des Blutdrucks auf die Medikamente ab. Die folgenden Blutdrucksenker werden einzeln oder in Kombination verabreicht:

Entwässernde Mittel

Durch sogenannte Diuretika wie Thiaziddiuretika, Schleifendiuretika, kaliumsparende Diuretika und Aldosteronantagonisten wird dem Körper Wasser entzogen. Das verringert das Blutvolumen. Wenn weniger Blut durch die Adern strömt, verringert sich der Druck in den Blutgefäßen und der Blutdruck sinkt automatisch. Zudem wird das Herz entlastet und Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe (Ödeme) ausgeschwemmt.

Betablocker wie Metoprolol, Propranolol oder Pindolol

Diese Medikamente blockieren sogenannte Beta-Adrenorezeptoren und verringern so die Wirkung des Stresshormons Adrenalin und des Nervenbotenstoffs Noradrenalin. In der Folge verringert sich der Blutdruck und die Herzfrequenz in Ruhe sinkt.

Kalziumantagonisten

Wirkstoffe vom Dihydropyridin-Typ wie Amlodipin, Lercanidipin oder Nifedipin verhindern den Einstrom von Kalzium ins Innere von Herzmuskelzellen, Zellen des Reiz-Leitungs-Systems und Muskelzellen der Blutgefäße. Für die Spannung der Muskelwände wird Kalzium benötigt. Steht weniger Kalzium zur Verfügung können sich die Muskelwände weniger stark verengen und die Muskelkontraktion lässt nach. Die Blutgefäße am Herzen und im Körper werden geweitet und der Blutdruck sinkt dementsprechend.

ACE-Hemmer

Die blutdrucksenkenden ACE-Hemmer wie Captopril, Enalapril, Lisinopril und Ramipril wirken auf das Blutdruckregulationssystem (kurz RAAS). Sie hemmen ein Enzym (Angiotensin Converting Enzym, kurz ACE), das für die Bildung von Angiotensin II aus Angiotensin I benötigt wird. Angiotensin II ist der stärkste körpereigene Stoff. Er erhöht direkt den Blutdruck und hemmt indirekt die Wasserausscheidung. Ohne dieses Umwandlungs-Enzym ACE wird weniger Angiotensin II gebildet und der Blutdruck weniger stark erhöht.

AT-1-Rezeptor-Antagonisten und Renin-Antagonisten

AT-1-Rezeptor-Antagonisten sind beispielsweise die Sartane wie Valsartan, Losartan und Irbesartan: Diese Medikamente heben die blutdrucksteigernde Wirkung des Angiotensin II auf (siehe oben).

Renin-Antagonisten wie Aliskiren greifen in das Blutdruckregulationssystem RAAS ein. Sie setzen dabei ganz am Anfang dieser Kaskade an. So wird das hormonähnliche Enzym Renin gebunden. Renin wird für die Umwandlung von Angiotensinogen in Angiotensin I benötigt. Weniger Angiotensin I heißt auch weniger Angiotensin II. Und je geringer die Angiotensin II Konzentration ist, umso schwächer fällt die Erhöhung des Blutdrucks aus.

Richtig mit Medikamenten gegen Bluthochdruck umgehen

Insbesondere bei stark erhöhtem Blutdruck ist es sehr hilfreich, wenn Sie selbst Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren. Wenn Sie das nicht selbst tun möchten oder können, wird Ihr Apotheker Sie beispielsweise gerne unterstützen. Auch Pflegedienste übernehmen diese Aufgabe selbstverständlich. Idealerweise führen Sie ein Blutdruck-Tagebuch, in dem Sie die Messwerte für systolischen und diastolischen Blutdruck täglich festhalten. In der Apotheke erhalten Sie auch Blutdruckmeßgeräte, die automatisch den Verlauf der Blutdruckwerte festhalten.

Dosierungsvorschriften dringend beachten: Damit blutdrucksenkende Medikamente zuverlässig wirken können, ist es notwendig, dass Sie sich genau an die Einnahmevorschriften halten. Das gilt sowohl für die Dosierung als auch für die Tageszeit. Auch bei normalemn Blutdruck dürfen Sie die Dosierung nicht eigenmächtig verändern oder Ihren Blutdrucksenker sogar absetzen. Ohne die Medikamente könnte der Blutdruck rasch wieder nach oben schnellen und mitunter lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen verursachen.

Vollständige Medikation offenlegen: Nicht selten kommt es durch Wechselwirkungen von Medikamenten zu gesundheitsgefährdenden Komplikationen. Daran sind blutdrucksenkende Medikamente häufig beteiligt, schon weil sie in so großer Zahl verschrieben werden. Legen Sie Ihrem Arzt beziehungsweise Ihren Ärzten unbedingt offen, wenn Sie weitere Medikamente einnehmen.

Medikamente beseitigen nicht die Ursache

Medikamente beseitigen in aller Regel nicht die Ursache für Hypertonie, sondern helfen lediglich, den Bluthochdruck in gesunden Grenzen zu halten. Außerdem haben Blutdrucksenker eine ganze Reihe von Neben- und Wechselwirkungen. Von daher ist es zu empfehlen, dass die Dosis der Medikamente so klein wie möglich bleibt.

Vorbeugung

Am allerbesten ist es, Bluthochdruck gar nicht erst entstehen zu lassen. Dazu können sie mit einfachen Verhaltensregeln beitragen, und zwar:

  • Fangen Sie gar nicht erst mit dem Rauchen an oder hören Sie mit dem Rauchen auf.
  • Alkohol sollten Sie nur in Maßen trinken.
  • Achten Sie auf Ihr Gewicht und nehmen Sie bei Übergewicht ab.
  • Achten Sie auf eine ausgeglichene Lebensweise mit genügend Bewegung und frischer, gesunder sowie ausgewogener Ernährung.
  • Schränken Sie Ihren Salzkonsum ein.
  • Behandeln bzw. vermeiden Sie Fettstoffwechselstörungen.
  • Meiden Sie Stress und starke Anspannung und erlernen Sie Entspannungstechniken wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung, Yoga oder Tai Chi.
  • Als Diabetiker sollten Sie auf eine gute Einstellung des Blutzuckerspiegels achten.
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