Wie pflege ich mein Tattoo richtig?

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Wie pflege ich mein Tattoo richtig?

Ein frisch tätowiertes Tattoo benötigt intensive Pflege. Sie sind beliebter denn je – doch keinesfalls risikoarm.

Ein Drache auf dem Unterarm, eine Schlange am Bein oder der Name des Liebsten auf dem Rücken – besonders bei jungen Menschen sind Tattoos beliebt. Jeder Dritte unter 40 Jahren hat sich mindestens eines stechen lassen, das ergab eine repäsentative Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos im Auftrag der Apotheken Umschau. Insgesamt 21 Prozent der Deutschen sind heute tätowiert – fast zehn Prozentpunkte mehr als noch vor sieben Jahren.

Die Branche boomt, stellt auch Maik Frey vom Verband Deutsche Organisierte Tätowierer fest. Vor 30 Jahren gehörte der Esslinger noch zu den ersten 20 Inhabern eines Tattoostudios bundesweit, heute sind es rund 8000. „Da gibt es viel Licht und Schatten“, sagt Frey. Denn bisher kann jeder ein Gewerbe anmelden und mit dem Tätowieren loslegen.

Deshalb setzt sich der Verband dafür ein, dass der Berufszugang besser geregelt wird: „Wir würden es begrüßen, wenn jeder Tätowierer ein Hygieneseminar besuchen müsste“, erklärt Frey. Nicht immer sei das nächstgelegene Studio das beste, warnt er und rät, genau hinzuschauen. „Der unmittelbare Arbeitsbereich muss desinfizierbar sein.“

Vor dem Tätowieren

Nur gewerblich gemeldete Tattoostudios werden vom Gesundheitsamt kontrolliert. Wichtig: Auf eine saubere Umgebung achten. Der Tätowierbereich sollte klar abgetrennt und gut desinfizierbar sein.

Informieren Sie sich im Vorfeld genau über das Studio und lesen Sie Bewertungen im Internet.
Lange Wartezeiten können durchaus ein Indiz für Qualität sein.

Das Beratungsgespräch sollte alle Risiken zu Allergien, Entzündungen und die Informationen zur Nachbehandlung umfassen.

Lassen Sie sich nach dem Tätowieren eine Liste geben, welche Farben, Farbstoffe und Pigmente genutzt wurden. Das kann bei der Entfernung eines Tattoos oder der Beurteilung von möglichen allergischen Reaktionen helfen.

Weitere Infos bei:
www.dot-ev.de
www.bundesverband-tattoo.de

Infektionsrisiken

Zwar werden gewerblich gemeldete Tattoostudios vom Gesundheitsamt überwacht, aber das Risiko, sich zum Beispiel über eine infizierte Tätowiernadel mit HIV oder Hepatitis anzustecken, sei deshalb nicht ausgeschlossen, warnt auch Dr. Uwe Kirschner. Der Dermatologe hat in Mainz eine Praxis. Zudem kann es zu Wundinfektionen kommen, besonders wenn der Tätowierer erkältet ist und keinen Mundschutz trägt oder seine Latexhandschuhe nicht regelmäßig wechselt.

Vorsicht ist im Ausland geboten: „Ich rate dringend davon ab, sich in sichtbar unhygienischen Studios, am Straßenstand oder in einer Hütte tätowieren zu lassen“, erklärt der Dermatologe.

„Grundsätzlich ist eine frische Tätowierung wie eine großflächige Schürfwunde zu behandeln“, sagt Kirschner. Rötungen und Schwellungen sind eine natürliche Hautreaktion und klingen meist nach einigen Stunden oder Tagen ab. Auch danach sollte man penibel auf Sauberkeit achten und regelmäßig den Verband wechseln, um Infektionen vorzubeugen.

Giftstoffe in den Farben

Doch auch die Farben haben es in sich. Mancher reagiert allergisch auf bestimmte Inhaltsstoffe. Zudem können Farben giftig sein, wenn sich der Hersteller nicht an die Tätowiermittelverordnung hält. Problematisch ist auch, dass keine Positivliste mit unbedenklichen Tattoofarben existiert. „Es gibt keine klaren Zulassungsregeln oder flächendeckende Kontrollen“, sagt Kirschner.

Zwar seien bestimmte Stoffe verboten, aber es werden immer noch Farbpigmente verwendet, die eigentlich für die Industrie entwickelt wurden. Manche enthalten sogar Quecksilber, Arsen, Chrom, Nickel oder verbotene Konservierungsstoffe. Wenn zudem zu tief gestochen wird, sieht nicht nur das Resultat weniger schön aus: „Es gelangen womöglich auch kleinste Farbpigmente in die Lymphknoten oder reichern sich in der Leber an, wo solche Fremdstoffe nichts zu suchen haben und möglicherweise giftig wirken können“, stellt Kirschner klar.

Die richtige Pflege

Frisch tätowierte Haut benötigt intensive Pflege. Der Kölner Apotheker Dirk Vongehr erklärt, worauf im Einzelnen zu achten ist:

Vor dem Tätowiertermin ist keine besondere Pflege erforderlich. Ratsam ist es aber, die Haut nicht selbst zu rasieren. Und: Nicht unmittelbar vorher Sport treiben! Die Haut sei wegen der stärkeren Durchblutung empfindlicher, das Tätowieren schmerzhafter.

Das fertige Kunstwerk wickelt der Tätowierer mit einer Folie ein, um die wunde Haut vor Infektionen zu schützen. Nach etwa zwei bis drei Stunden kann die Folie entfernt und die Haut mit lauwarmem Wasser und einer milden Waschlotion vorsichtig gereinigt werden.

Dabei sanft abtupfen, nicht reiben! Keinesfalls ein Peeling oder stark parfümierte Produkte verwenden!
Auf die gereinigte Haut mehrmals täglich eine wundheilende Creme, beispielsweise mit Panthenolzusatz, auftragen. Fragen Sie in der Apotheke am besten nach einem weichen, leicht zu verteilenden Präparat. Während der Abheilung sollte man auf Sonne, Sauna und Schwimmbäder verzichten. Mögliche Krusten keinesfalls entfernen, sondern lediglich vorsichtig eincremen, bis sie sich vollständig von selbst ablösen.

Weniger Schweiß auf der Haut

Auch wissen viele nicht, dass sich die Haut durch das Tattoo verändert. Tätowierte Haut kann etwa um die Hälfte weniger Schweiß bilden als gesunde. Dafür enthalte der Schweiß mehr Salze als normal: „Man geht davon aus, dass beim Tätowieren Schweißdrüsen geschädigt werden können. Das kann zu Problemen bei der Temperaturregulierung und im Elektrolythaushalt führen. Deshalb würde ich Sportlern oder Menschen, die schwere körperliche Arbeit leisten, von großen Tattoos abraten“, so der Dermatologe. Tattoos erschweren außerdem die Hautkrebsvorsorge. Der Experte rät deshalb davon ab, sich ein Tattoo über einem Muttermal stechen zu lassen.

Doch was tun, wenn sich der Geschmack, die berufliche oder private Situation verändert? „Sehr oft muss der Name des Ex-Partners beseitigt werden, oder der Tätowierer hat einen Fehler gemacht. Angehende Eltern wollen häufig auch ihre Jugendsünden entfernen lassen“, erzählt Dr. Konstantin Feise, Facharzt für Dermatologie und Phlebologie in Stuttgart. Besonders ältere Menschen bereuen, dass sie sich tätowieren ließen, ergab die Umfrage der Apotheken Umschau. Denn oft verblassen die Farben, wenn die Haut häufig der Sonne ausgesetzt ist.

Früher musste man die Tätowierungen herausschneiden oder -brennen, heute werden sie weggelasert. Feise nutzt dafür in der Sophienklinik Stuttgart Geräte, welche die Farbpartikel zerschießen können. Bis zu zehn Sitzungen sind meist nötig. „Grüne Pigmente lassen sich sehr schwer entfernen“, erklärt der Dermatologe. „Generell werden heutzutage Tattoos viel tiefer und mit mehr Pigment gestochen. Das macht die Entfernung aufwendiger.“

Jugendsünden beseitigen

Nebenwirkungen wie Blasenbildungen, Pigmentstörungen und Narben lassen sich bisher nicht gänzlich verhindern. Völlig unproblematisch ist eine Entfernung nicht. So hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bei der Entfernung von bestimmten blauen Farbpigmenten krebserregende Stoffe nachweisen können. „Es ist richtig, dass teils Schadstoffe beim Lasern gebildet werden“, sagt Feise. Auch wenn es noch keinen nachgewiesenen Krebsfall durch eine Entfernung gebe: „Man muss aufmerksam bleiben.“

Positive Entwicklung: Ende 2020 tritt eine neue Verordnung in Kraft. „Dann ist es Kosmetikern, Tattoostudios und Heilpraktikern verboten, Tattoos zu lasern oder Pigmentierungen zu entfernen“, erklärt Feise. Nur noch Ärzten ist dies dann vorbehalten.

Günstig ist das Entfernen nicht. Je nach Größe muss man mit mehreren Hundert oder gar Tausenden Euro rechnen. Zudem übernehmen Krankenkassen die Kosten nicht. Ein Grund, sich vor dem Tätowieren ganz sicher zu sein, ob man das Motiv lebenslang auf der Haut tragen will.

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