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Wann hilft bei Schmerzen Kälte, wann Wärme?

Wärmepflaster, Kältepacks, Kirschkernkissen

Bei Schmerzen haben Experten eine griffige Formel: Bei akuten Beschwerden hilft Kälte, bei chronischen Schmerzen ist Wärme angesagt.

Bestes Beispiel: der Tennisarm. „Bei dieser Reizung der Sehnenansätze des Ellenbogens können sowohl Kühlung als auch Wärmebehandlungen hilfreich sein“, erläutert Professor Dr. Sven Ostermeier, leitender Orthopäde der Gelenk-Klinik Gundelfingen. „Welche Art der Anwendung als angenehm empfunden wird, muss individuell ausprobiert und entschieden werden.“

Dasselbe gilt bei Muskelkater. Auch hier sind Kälte und Wärme möglich, um Schmerzen zu lindern. „Ob warme Bäder allerdings wirklich helfen, wie viele Betroffene meinen, ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen“, betont Professor Ostermeier. Sicher aber ist, „dass beide Verfahren bei falscher Anwendung mehr schaden als nützen können. Die Regeneration beschleunigen lässt sich weder mit dem einen noch dem anderen“, warnt der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, Sportmedizin und Chirotherapie.

Wärme bei Muskelverspannungen und Rückenschmerzen

Bei Muskelverspannungen und Rückenschmerzen ist Wärme eine geeignete Erste-Hilfe-Maßnahme: „Am besten schon an den ersten Tagen der Beschwerden“, empfiehlt Professor Ostermeier. „Die Wärme dringt tief in das Gewebe ein, regt die Durchblutung und somit den Stoffwechsel an. Das Gelenk wird beweglicher, die Muskulatur entspannter und lockerer.“

Wärmepflaster regen etwa dank ihres Cayennepfeffer-Extraktes die Durchblutung der Haut an und wirken schmerzstillend. Eine gefragte Alternative sind Pflaster mit Aktivkohle und Eisen als Inhaltsstoffe, bei denen dank der chemischen Reaktion mit Sauerstoff Wärme entsteht.

Wärmesalben zeigen bei chronischen Schmerzen oder Muskelverspannungen auch Wirkung. Sie fördern die Durchblutung und den Abtransport diverser Stoffwechselprodukte im Gewebe. Im Gegensatz zu Kissen oder Wärmflasche schränken sie aber die Mobilität des Anwenders nicht ein.

Hilfreich ist Wärme auch bei Bewegungseinschränkungen wie der Schultersteife (Frozen Shoulder) oder bei Arthrose. Aber: Ist das Gelenk darüber hinaus entzündet, ist oft Kälte hilfreicher und wirkungsvoller.

Auf Wärme-Anwendungen verzichten sollte man u.a. bei Herzbeschwerden, Gelenkentzündungen, einer Schilddrüsen-Überfunktion und Nierenerkrankungen.

Kälte-Anwendungen für zu Hause

Kälte-Anwendungen sind bei Schwellungen nach einer Sportverletzung ein gutes Mittel. „Wärme fördert die Durchblutung, die Schmerzen nehmen zu“, bringt es der Experte auf den Punkt. „Kälte sorgt hingegen für eine Reduktion der Schwellung und wirkt schmerzlindernd“, betont Prof. Ostermeier.

Ebenso wirkt Kälte auch bei Knie-Beschwerden wie etwa dem Läuferknie (Runners Knee). Treten bei dieser „Jogger-Krankheit“ die Beschwerden zunächst rund um die Kniescheibe auf, dehnen sie sich schließlich auf immer mehr Bereiche aus. „Neben entzündungshemmenden Salben ist Kühlung in der Akutphase hilfreich“, sagt der Experte.

Erste Hilfe aus dem Kühlschrank

Geeignete Kälte-Anwendungen für zu Hause sind Kühlpacks oder spezielle Kühlmanschetten. „Aber nicht länger als 30 Minuten pro Anwendung und maximal vier- bis fünfmal pro Tag“, warnt Professor Ostermeier.

Ein weiterer Experten-Tipp: Am besten zwischen Kühlpack und Haut ein Handtuch legen – das schont die Haut. Alternativ tut es übrigens auch ein Wickel mit Quark direkt aus dem Kühlschrank.

Dass Eissprays bei Schmerzen helfen, zeigen die Beispiele gefoulter Bundesliga-Fußballer. Nach entsprechender Behandlung kehren sie meist nach wenigen Minuten scheinbar wieder fit auf den Platz zurück. „Da die entzündungsfördernden Botenstoffe durch die Kälte regelrecht ausgebremst werden, sinkt die Schmerzempfindlichkeit des Spielers“, erklärt der Experte. Doch dieser Effekt hält nur begrenzte Zeit – und nach dem Abpfiff kommt in der Regel der Orthopäde ins Spiel.

Nicht geeignet sind Kälte-Anwendungen bei Durchblutungsstörungen oder Erkrankungen der Herzkranzgefäße.

Halten die Schmerzen über mehrere Tage an, werden sie intensiver oder nimmt die Belastbarkeit ab, so sollte immer ein Arzt aufgesucht werden.

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