Vitamin B3: Überdosierung führt zu Augenschäden

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Vitamin B3: Überdosierung führt zu Augenschäden

Forschende des New York Eye and Ear Infirmary of Mount Sinai (NYEE) warnen in einer aktuellen Studie vor einer hochdosierten Einnahme von Niacin (Vitamin B3).

Regelmäßige hohe Dosen können zu einer sogenannten Niacin-induzierten zystoiden Makulopathie führen – eine Schwellung der Netzhaut, die eine Sehverschlechterung auslöst. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem „Journal of VitreoRetinal Diseases“ vorgestellt.

Niacin begünstigt Ödeme in der Makula

In einem klinischen Bericht haben Retina-Spezialisten aus New York eindeutig belegt, dass hohe Dosen von Niacin zu Verletzungen von Augenzellen führen. Mithilfe hochmodernen Technologien, wie Fluoreszeinangiographie, optische Kohärenztomographie und multifokale Elektroretinographie konnten die Expertinnen und Experten die durch Niacin verursachten Zellschäden bei einem 61 jährigen Patienten dokumentieren. Nach Angaben des Team verursacht Niacin eine toxische Reaktion in dem flüssigen Bereich der Makula und fördert so die Bildung von Ödemen.

Viel hilft nicht immer viel

„Menschen leben oft nach der Philosophie, dass, wenn ein bisschen gut ist, mehr besser sein sollte“, erläutert der leitende Studienarzt Dr. Richard Rosen. Bei der Einnahme von Niacin könne diese Philosophie gefährliche Folgen haben, insbesondere da das Ergänzungsmittel rezeptfrei erhältlich ist.

Selbst verabreichte Überdosis

Das NYEE-Studienteam veröffentlichte kürzlich den Fall eines 61-jährigen Patienten, der sich im Krankenhaus wegen eines verschlechterten und verschwommenen Sehvermögens vorstellte. Erste Sehtests ergaben, dass der Mann fast blind war. Er litt zusätzlich unter Bluthochdruck und hohen Blutfettwerten. Aus der Anamnese ging hervor, dass der Patient eine umfangreiche Palette von Nahrungsergänzungsmitteln zu sich nahm, darunter auch drei bis sechs Gramm Niacin täglich, um seinen Cholesterinspiegel und sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Die empfohlene Standarddosis von Niacin sollte jedoch nach Angaben der NYEE nur ein bis drei Gramm täglich betragen.

Schäden waren bei Abstinenz reversibel

Die Augenärzte rieten dem Mann dazu, die Einnahme des rezeptfreien Niacins sofort einzustellen. Ein Folgetermin nach einer Woche zeigte bereits, dass die Schwellung deutlich zurückgegangen war. Zwei Monate später war die Dysfunktion vollständig behoben und sein Sehvermögen hatte sich wieder normalisiert.

Bislang bester dokumentierter Fall zu dem Thema

„Während Retina-Spezialisten diese ungewöhnliche Reaktion auf Niacin seit vielen Jahren kennen, ist ein solches Lehrbuchbeispiel für extreme Toxizität und Regeneration noch nie so gut durch Bildgebung und Funktionstests dokumentiert worden”, resümiert Dr. Rosen. In diesem Fall hatte der Patient das besondere Glück, dass die Medizinerinnen und Mediziner den richtigen Verdacht hatten und dies durch die Diagnose bestätigt werden konnte. In den meisten Fällen sei dies nicht der Fall und andere Patientinnen und Patienten haben vielleicht nicht dieses Glück, fügt Studienautorin Dr. Jessica Lee hinzu.

Sollte Niacin rezeptpfichtig werden?

„Dieser Fall dient dazu, jeden daran zu erinnern, wie wichtig es ist, auch die langfristige Einnahme von rezeptfreien Vitamin B3 mit einem Arzt abzuklären“, so Lee. Nur weil ein Mittel rezeptfrei sei, bedeutet das nicht, dass es völlig sicher ist. „Egal wie gutartig ein Nahrungsergänzungsmittel oder ein rezeptfreies Produkt erscheinen mag, die richtige Dosierung und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sollten sorgfältig mit einem Arzt besprochen werden, um unerwartete Folgen zu vermeiden“, empfiehlt Lee.

Quellen:

New York Eye and Ear Infirmary of Mount Sinai (NYEE): Eye Damage Linked to Popular Over-the-Counter Vitamin That Lowers Cholesterol Can Be Reversed (Abruf: 29.10.2019), mountsinai.org
Jessica G. Lee, Anu Patel, Alessandra Bertolucci, u.a.: Optical Coherence Tomography, Fluorescein Angiography, and Electroretinography Features of Niacin Maculopathy: New Insight Into Pathogenesis, Journal of VitreoRetinal Diseases, 2019, journals.sagepub.com

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