Gesundheitsblog

Millionen Deutsche bereits immun gegen Coronavirus?

Es könnte eine Wende in der Coronavirus Epidemie bedeuten: Bisher waren Forscher davon ausgegangen, dass die Immunität gegen das neuartige Coronavirus erst durch eine Infektion entsteht. Jetzt legt eine US-Studie nahe, dass Immunität auch anders entstehen könnte.

Hintergrund: Schon seit Jahren sind Coronaviren unterwegs. Sie führen aber nicht zu einer Covid-19-Erkrankung, lösen nur harmlose Erkältungen aus.

Immunzellen, die zur Abwehr dieser Coronaviren gebildet wurden, können eventuell auch das neuartige Virus angreifen.

Weniger Coronavirus Infektionen für Durchseuchung nötig?

Zu Beginn der Epidemie hieß es, dass für eine Herdenimmunität mindestens 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus infiziert werden müssten.

Eine US-Laborstudie, die im Fachjournal „Cell“ veröffentlicht wurde, zeigt: Eine Erkältung mit verwandten, harmloseren Coronaviren könnte womöglich für eine Immunität ausreichen.

„Wenn die Immunreaktion auch in epidemiologischen Studien bestätigt wird, könnte eine Durchseuchung von 20 bis 30 Prozent ausreichen, um die exponentielle Verbreitung zu unterbrechen“, sagt Prof. Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg.

Spannend sei deshalb ein Blick nach Schweden: „Dort sind bereits 20 Prozent durch eine Infektion wahrscheinlich immun. Wenn frühere Coronavirus-Infektionen sich auf die Immunität auswirken, wird es sich in den schwedischen Fallzahlen in den nächsten Wochen abzeichnen.“

Auch gegenteiliger Effekt durch Immunzellen möglich

Allerdings könnte die nachgewiesene Reaktion der Immunzellen auf das neuartige Virus auch genau den gegenteiligen Effekt auslösen! Prof. Schmidt-Chanasit: „Es gibt Erkrankungen, bei denen die Immunreaktion auf einen verwandten Erreger durch die Immunzellen verstärkt wird.“

Bedeutet: Ein bereits vorbereitetes Immunsystem könnte extrem auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus reagieren. Das könnte zu schweren Verläufen, etwa schweren Lungenentzündungen, führen.

Übertragbarkeit auf Bevölkerung unklar

Ob sich die Beobachtungen aus den Reagenzglas-Studien auf die Bevölkerung übertragen lassen, ist noch unklar.

Prof. Schmidt-Chanasit: „Die Vermutungen müssen jetzt in epidemiologischen Studien bestätigt werden. Bisher weiß man weder, ob sich die beobachteten Reaktionen auf viele Menschen übertragen lassen, noch welche Auswirkung sie auf die Ausbreitung des Virus in der Bevölkerung haben.“

Tags

Weitere Artikel

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back to top button