Gesundheitsblog

Hersteller verlost 100 Zwei-Millionen-Euro-Spritzen

Lotterie um Leben und Tod oder Geschenk für Betroffene?

Jede Spritze kostet rund 2 Millionen Euro! 100 Dosen – bei rund 1000 erkrankten Neugeborenen pro Jahr allein in Deutschland, Japan und den USA.  Die Pharma-Firma Novartis will 100 Dosen eines lebensrettenden Medikament per Zufallsverfahren vergeben.

Es geht um das Medikament Zolgensma des Herstellers Avexis (eine Tochter von Novartis). Es kann Kinder unter zwei Jahren mit nur einer Dosis dauerhaft von einer bestimmten Form tödlicher spinaler Muskelatrophie (SMA1) heilen. Zugelassen ist das Medikament bisher nur in den USA.

Laut Pharma-Firma Novartis spiegelt dieser Preis neben den Forschungs- und Herstellungskosten „sowohl den Wert wider, den diese Behandlung für Patienten und das Gesundheitssystem hat, als auch die sehr geringe Anzahl von Patienten.“ In Deutschland sind es rund 50 Neugeborene jährlich.

Alle zwei Wochen lost eine unabhängige Kommission zwei kleine Patienten aus, die eine der 100 Dosen erhalten. Sie bekommen die Spritze voraussichtlich in ihrem Heimatland.

Das Paul-Ehrlich-Institut hat diesem „Härtefallprogramm“ am Montag zugestimmt – bis das Medikament in Europa zugelassen ist. In medizinischen Härtefällen ist es möglich, ein Medikament auch ohne europäische Zulassung einzusetzen und von den Kassen bezahlen zu lassen.

Widerlich oder ein Geschenk? Hersteller Novartis: „Es ist ein Dilemma. Wir haben einfach nicht so viele Dosen zur Verfügung, wie wir gerne hätten. Bei aller Kritik an dem Verfahren mangelt es bislang an Vorschlägen für bessere Alternativen.“

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) meint: „Ethisch-moralisch ist dieses Vorgehen mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar zynisch.“

Medizin-Ethiker Prof. Giovanni Maio (Uni Freiburg) hält Pauschalurteile gegenüber der Pharmaindustrie für undifferenziert. Das Losverfahren sei aber durchaus strittig. „Es wäre besser gewesen, man hätte sich auf ein Verfahren geeinigt, bei dem allein medizinische Kriterien gezählt hätten.“

Laut GKV-Spitzenverband wäre die Lösung gewesen, „eine Zulassung des Arzneimittels parallel in den USA und in Europa zu beantragen“. Das Bundesgesundheitsministerium setzt nun auf eine „ebenso gründliche wie zügige Bearbeitung“ durch die europäische Zulassungsbehörde. Möglicher Zeithorizont: Mitte 2020.

Tags

Weitere Artikel

Back to top button