Gesundheitsblog

Erste deutsche Stadt macht’s wie Schweden

Neue Strategie im Kampf gegen Corona

Immer mehr Senioren stecken sich mit dem Coronavirus an – und deshalb reagiert jetzt die Stadt Tübingen! Sie setzt – wie in Schweden – voll auf den Schutz von Älteren! In der ersten Oktober-Woche meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) 1242 Neu-Infizierte im Alter von über 70 Jahren.

Noch vor Ende des Monats hatte sich die Zahl fast VERSECHSFACHT: Zwischen dem 19. und dem 25. Oktober verzeichnete das RKI über 6900 Ü70-Infektionen.

Deutschlands oberste Seuchen-Behörde warnt deshalb: Da ältere Corona-Kranke „häufiger einen schweren Verlauf durch Covid-19 aufweisen, steigt ebenso die Anzahl an schweren Fällen und Todesfällen“.

Diese gefährliche Entwicklung will Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (48, Grüne) stoppen – und macht’s nun wie Schweden: volle Konzentration auf den Schutz von Risikogruppen!

In einem Aufruf richtet sich Palmer mit Knallhart-Empfehlungen an die Tübinger: Alle Senioren sind aufgefordert, die Stadt-Busse „im November nicht mehr zu benutzen“ und für „unabdingbare Fahrten“ das Sammel-Taxi zu nutzen. Stattdessen sollen „alle, die fit genug sind, nicht den Bus, sondern das Fahrrad nutzen, auch wenn es jetzt kälter wird“.

Auch Nicht-Senioren sollen mithelfen: Alle Bürger unter 65 Jahren und ohne Vorerkrankungen sollen NICHT zwischen 9.30 Uhr und 11 Uhr einkaufen gehen, um Geschäfte für Ältere und Vorerkrankte freizuhalten, so das Ansteckungsrisiko zu senken.

Und: Die Stadt stellt allen Senioren über 65 KOSTENLOS medizinische FFP2-Masken zur Verfügung.

Die Schwaben gehen den Coronavirus Schweden-Weg!

Boris Palmer: „Der Tübinger Appell setzt wie Schweden auf Eigenverantwortung und besonderen Schutz der Alten.“ Denn: Als einziges EU-Land setzt Schweden seit Beginn der Pandemie auf Schutz-GEBOTE statt auf Lockdown-VERBOTE.

„Ich denke nicht, dass ein genereller Lockdown eine ergiebige Langzeit-Strategie ist“, erklärt der Stockholmer Epidemiologe Jonas F. Ludvigsson (51) Schwedens Modell. Kurzfristig seien Lockdowns durchzuhalten.

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Aber: „Wir müssen andere nachhaltige Strategien finden, die über Jahre im Kampf gegen Covid-19 funktionieren“, so Ludvigsson.

Über sechs Monate lang rief das Gesundheitsministerium die Über-70-Jährigen auf, öffentliche Verkehrsmittel zu meiden und soziale Kontakte zu reduzieren. Mit Erfolg: In einer Umfrage gaben 59 % der schwedischen Senioren an, ihre Familie seltener zu sehen, 69 % beschränkten den Kontakt zu Freunden und Bekannten.

Schwedens großer, folgenschwerer Fehler war der anfänglich schlechte Schutz von Pflegeheimen. Tausende Senioren starben, pro Einwohner deutlich mehr als in Deutschland. Es gab zu wenig Schutzausrüstung für die Pfleger. Außerdem „war uns nicht richtig bewusst, wie anfällig die älteren Menschen wirklich waren“, so Ludvigsson.

Mittlerweile will Schweden die Lage im Griff haben: Im Oktober war der Anteil der Über-80-Jährigen unter allen Infizierten deutlich niedriger als in Deutschland.

Auch Palmer setzt voll auf den Schutz vor dem Coronavirus in Pflegeeinrichtungen: Seit September lässt er das Personal regelmäßig testen, jetzt sollen Besucher mit Schnelltests auf das Virus getestet werden.

Der Oberbürgermeister sieht seine Stadt als Vorreiter im Kampf gegen das Coronavirus. Nur eines kann auch er nicht aussetzen: den ab Montag geltenden Lockdown.

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