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Die Liste der Todes-Viren

Der „Ausschuss für biologische Arbeitsstoffe“ (ABAS) listet unter anderem mehr als zwei Dutzend unterschiedliche Coronaviren auf, die meisten in den unteren Risikogruppen 1 und 2. Nur einige sind echt gefährlich. Das gerade grassierende SARS-CoV-2 wurde in die Risikogruppe 3 eingestuft, neben dem Hantavirus und HIV. Noch gefährlicher sind z. B. echte Pocken und Ebola.

Risiko-Gruppen

Die Einstufung der Viren erfolgt laut Biostoff-Verordnung (§3.1) in erster Linie danach, wie hoch das Infektionsrisiko ist.

Risikogruppe 1: Biostoffe, bei denen es unwahrscheinlich ist, dass sie beim Menschen eine Krankheit hervorrufen.

Risikogruppe 2: Biostoffe, die eine Krankheit beim Menschen hervorrufen können (...) ; eine Verbreitung in der Bevölkerung ist unwahrscheinlich; eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung ist normalerweise möglich.

Risikogruppe 3: Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen können; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung kann bestehen, doch ist normalerweise eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung möglich.

Risikogruppe 4: Biostoffe, die eine schwere Krankheit beim Menschen hervorrufen und eine ernste Gefahr für Beschäftigte darstellen; die Gefahr einer Verbreitung in der Bevölkerung ist unter Umständen groß; normalerweise ist eine wirksame Vorbeugung oder Behandlung nicht möglich.

So gefährlich sind die Viren

Die Biostoff-Verordnung regelt den Arbeitsschutz beim Umgang mit Infektionserregern. Sie legt fest, wie sich Beschäftigte in Berufsgruppen, die mit gefährlichen Biostoffen in Kontakt kommen, zum Beispiel Ärzte und Pfleger, schützen sollen.

Jörg Feldmann, Pressereferent der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erklärt: „Dass eine Verbreitung unwahrscheinlich ist, bedeutet in diesem Fall, dass man sich vor Biostoffen der Risikogruppe 2 (darunter fallen z. B. Noroviren, Grippeviren oder Viren, die Schnupfen verursachen) im Vergleich zu Biostoffen der Risikogruppe 4 schützen und einer Ansteckung vorbeugen kann.“

Eine Rolle spiele bei der Risikobewertung ebenfalls, nicht nur wie ansteckend, sondern wie gesundheitsgefährdend oder gar tödlich ein Biostoff bzw. ein Virus sei, sagte Feldmann. „Und da stellen Schnupfen- und die Grippeviren eine weitaus geringere Gefahr für die Gesundheit dar als beispielsweise Ebola- oder Tollwut-Erreger.“

Allgemein gilt: Je geringer die Risikogruppe, desto geringer die Gesundheitsgefährdung und besser die Behandlungs- und Vorbeugemöglichkeiten.

Doch welche Viren sind es nun, die uns neben dem aktuell grassierenden Coronavirus Sars-CoV-2 gefährlich werden können?

Die gefährlichsten Viren der Welt

Creutzfeldt-Jacob - Riskogruppe 3**

Was macht es? Creutzfeldt-Jakob ist die menschliche Form der Rinderkrankheit BSE. 2018 gab es 78 Fälle Deutschland. Die Krankheit zerstört Gehirnzellen und beeinträchtigt so geistige und motorische Fähigkeiten. Als Ursache stehen infektiöse Eiweißpartikel, sogenannte Prionen, im Verdacht.

Wie tödlich ist es? Die aus den im Jahr 2005 übermittelten Fällen ableitbare Sterblichkeit beträgt 0,06 Todesfälle pro 100 000 Einwohner pro Jahr. Die vom Nationalen Referenzzentrum für CJK am Prionenforschungszentrum in Göttingen veröffentlichten Daten zur Mortalität für die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit im gleichen Jahr sind mit 0,12 Todesfällen pro 100 000 Einwohner doppelt so hoch.

**Bestimmte biologische Arbeitsstoffe der Risikogruppe 3, die normalerweise nicht über den Luftweg übertragen werden, wurden im Rahmen der Einstufung von biologischen Arbeitsstoffen mit zwei Sternchen versehen (Risikogruppe 3**).

Denguefieber - Risikogruppe 3

Was macht es? Das Denguevirus (DENV) verursacht eine akute fieberhafte Erkrankung mit Kopf- und Gliederschmerzen und gelegentlich Hautausschlag. Es sind vier unterschiedliche Arten (Untergruppen beziehungsweise Serotypen) bekannt (DENV1-4). Die schweren, zum Teil tödlichen Verlaufsformen mit Blutungen und Kreislaufversagen treten vermehrt bei einer Zweitinfektion mit einem anderen Serotyp oder bei Kindern unter 15 Jahren auf. Übertragen wird es vorwiegend von tagaktiven Stechmücken in über 100 Ländern der Tropen und Subtropen.

Wie tödlich ist es? 2018 gab es 613 Fälle in Deutschland, die Reisende alle aus dem Ausland mitbrachten, meist aus Thailand. Keiner der Erkrankten starb daran.

Ebola - Riskogruppe 4

Was macht es? Ebolaviren kommen in einigen zentral- und westafrikanischen Ländern vor. Sie können beim Menschen zu schweren, fieberhaften Krankheitsverläufen mit Blutungen führen. Es gibt verschiedene Ebola-Viren der Gruppe 4.

Wie tödlich ist es? Sehr! Bei den bisher untersuchten Ausbrüchen lag die Sterblichkeit zwischen 30 und 90 Prozent.

Geflügelpest/Vogelgrippe - Risikogruppe 3

Was macht es? Das Influenza-Virus Typ A (z. B. H5N1, H7N1), auch bekannt als Geflügelpest oder Vogelgrippe, ist eine hochansteckende Viruskrankheit von Hühnern und Puten, aber auch viele andere Vögel sind empfänglich. Betroffene Tiere zeigen u. a. hohes Fieber, Appetitlosigkeit und Atemnot.

Wie tödlich ist es? Für den Menschen sind die meisten Virustypen der Vogelgrippe in der Regel nicht gefährlich. Es kann jedoch über engen Kontakt in seltenen Fällen auf den Menschen übertragen werden und kann vereinzelt tödlich enden. In Deutschland sind bislang jedoch keine Vogelgrippe-Erkrankungen beim Menschen gemeldet worden. Was weltweite Zahlen anbelangt, bestätigte die WHO, dass von 2003 bis Februar 2019 (Datenstand: 14.03.2019) bei 860 Personen (aus 16 Ländern) aviäre Influenza A (H5N1) nachgewiesen wurde und davon 53 Prozent (454 Fälle) starben.

Grippe - Risikogruppe 2

Was macht es? Verursacher der echten Grippe sind drei Virustypen: Influenza A, B, C. Sie verursachen Husten, Schnupfen, Gliederschmerzen, Atembeschwerden. Jedes Jahr geht eine Grippewelle auch durch Deutschland, darum wird zu Impfungen geraten. Für Menschen sind in erster Linie Influenza-Viren vom Typ A und B gefährlich.

Wie tödlich ist es? Das höchste Risiko für schwere Verläufe und Todesfälle haben ältere Menschen. Die Zahl der Todesfälle kann bei den einzelnen Grippewellen stark schwanken, von mehreren hundert bis über 20 000 (z. B. während der schweren Grippewelle in der Saison 2012/13).

Spanische Grippe - Risikogruppe 2

Was macht es? Die heftige Grippe führte u. a. zu Atemproblemen und akutem Lungenversagen. Betroffene hatten eine blaue Haut vom Sauerstoffmangel. Damals hielt man ein Bakterium für den Auslöser, das Grippevirus (Influenza-A-Virus H1N1) wurde erst 1933 entdeckt.

Wie tödlich ist es? 1918 bis 1920 starben weltweit 27 bis 50 Millionen Menschen, manche Quellen gehen sogar von 100 Millionen Toten aus.

Hantavirus - Risikogruppe 3

Was macht es? Die Hantaviren (HTNV) werden von infizierten kleinen Säugetieren (z. B. Rötel- und Brandmäusen) auf den Menschen übertragen und können je nach Art des Virus ernste Erkrankungen beim Menschen hervorrufen. So verursachen mitteleuropäische Hantavirus-Arten grippeähnliche Infektionen, mit über drei bis vier Tage anhaltendem hohen Fieber (über 38 Grad Celsius) sowie Kopf-, Bauch- und Rückenschmerzen.

Wie tödlich ist es? Todesfälle sind in Deutschland sehr selten. 2018 erkrankten im ganzen Jahr nur 235 Menschen am Hantavirus, von denen keiner starb.

Hepatitis B - Risikogruppe 3**

Was macht es? Das Hepatitis-B-Virus (HBV-A bis H) verursacht eine Leberentzündung, fünf bis zehn Prozent der Fälle verlaufen chronisch, können in eine Leberzirrhose oder ein Leberzellkarzinom übergehen. Gegen die Krankheit, die vor allem durch Blut und Körperflüssigkeiten übertragen wird (Nadelstiche, Sexualkontakte) gibt es einen Impfstoff.

Wie tödlich ist es? Im Jahr 2018 gab es 4507 Fälle, drei Menschen starben. Die meisten akuten Hepatitis-B-Erkrankungen bei Erwachsenen (mehr als 90 Prozent) heilen jedoch vollständig aus und führen zu einer lebenslangen Immunität.

Hepatitis C - Risikogruppe 3**

Was macht es? Hepatitis C ist eine weltweit beim Menschen vorkommende, durch Hepatitis-C-Viren (HCV) ausgelöste Leberentzündung, die vor allem durch Blut übertragen wird. Ohne Therapie nimmt die Infektion in 50 bis 85 Prozent der Fälle einen chronischen Verlauf, der nach Jahrzehnten eine Leberzirrhose oder ein Leberzellkarzinom verursachen kann. Es existiert kein Impfstoff gegen Hepatitis C, jedoch eine wirksame antivirale Therapie, die eine Infektion in den meisten Fällen heilen kann.

Wie tödlich ist es? Rechtzeitig erkannt, ist die heimtückische Leberinfektion gut behandelbar. So gab es 2018 in Deutschland es 5891 Fälle, vier Menschen starben. Dennoch sollte Hepatitis C nicht unterschätzt werden. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa 71 Millionen Menschen chronisch mit HCV infiziert, das entspricht etwa einem Prozent der Weltbevölkerung.

HIV/AIDS - Risikogruppe 3**

Was macht es? Die Infektion mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) schädigt das Immunsystem und damit die körpereigenen Abwehrkräfte. Unbehandelt führt das nach einiger Zeit zu schweren Krankheiten wie etwa verschiedenen Krebsarten. Es liegt dann das AIDS-Vollbild vor (Acquired Immunodeficiency Syndrome).

Wie tödlich ist es? Mit einer HIV-Therapie lässt sich Aids verhindern. So können Menschen mit HIV heute gut und lange leben. Für das Jahr 2017 wird die Zahl der Todesfälle bei HIV-Infizierten in Deutschland auf 420 bis 470 geschätzt. Weltweit starben 2018 dagegen 770 000 Menschen an HIV.

Lassavirus - Risikogruppe 4

Was macht es? Das vom Lassavirus (LASV) verursachte Lassafieber kommt natürlicherweise nur in Westafrika vor, wo sich in manchen Regionen bei der Hälfte der Bevölkerung Antikörper nachweisen lassen. Übertragen wird es von infizierten kleinen Nagetieren, die die Erreger in sehr hohen Konzentrationen ausscheiden. Die Übertragung auf den Menschen erfolgt in der Regel durch kontaminierte Nahrungsmittel. Menschen wiederum können sich durch direkten Kontakt mit Körperflüssigkeiten gegenseitig anstecken.

Wie tödlich ist es? Die Mehrzahl der Erkrankungen verläuft relativ mild mit grippeähnlichen Symptomen. Bei jedem fünften Infizierten kommt es zu schweren Verläufen mit einer Gesamtsterblichkeit von etwa 15 Prozent.

MERS - Risikogruppe 3

Was macht es? Das Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV) ist seit dem Jahr 2012 bekannt, als es erstmals bei einem in Jeddah, Saudi-Arabien, behandelten Patienten mit akuter Lungenentzündung und Nierenversagen identifiziert wurde. Bei gesunden Menschen führt das Virus kaum oder zu grippeähnlichen Beschwerden. Bei schweren Verläufen kann es jedoch zu einer Lungenentzündung, zu einem akuten Atemwegssyndrom und Nierenversagen kommen.

Wie tödlich ist es? Bis zum 20.02.2019 registrierte die Weltgesundheitsorganisation 2358 Fälle, davon starben 856 (36 Prozent).

Norovirus - Risikogruppe 2

Was macht es? Noroviren (früher als Norwalk-like-Viren bezeichnet) verursachen Magen-Darm-Infektionen bei Kindern und Erwachsenen. Symptomatisch sind vor allem schwallartiges heftiges Erbrechen und starke Durchfälle, die zu einem erheblichen Flüssigkeitsmangel führen können.

Wie tödlich ist es? 2018 gab es 77 583 Norovirus-Erkrankungen in Deutschland 2018, von denen 25 Menschen starben.

Windpocken - Risikogruppe 4

Was macht es? Windpocken werden durch eine Erstinfektion mit dem Varicella-Zoster-Virus (VZV) ausgelöst und sind hochansteckend. Das auffälligste Symptom ist ein juckender Ausschlag an Haut und Schleimhäuten mit Bläschen, roten Flecken und Schorf. Meist erkranken Kinder und Jugendliche an den Windpocken, aber auch Erwachsene können betroffen sein.

Wie tödlich ist es? Im Jahr 2018 gab es 20 448 Fälle in Deutschland, von denen ein Mensch starb.

SARS - Risikogruppe 3

Was macht es? Das SARS-Coronavirus (SARS-CoV) ist eine Infektionskrankheit die, wie der englische Name der Abkürzung „Severe Acute Respiratory Syndrome“ (SARS) verrät, eine schwere Atemwegserkrankung verursacht. Sie beginnt mit grippeähnlichen Symptomen und hohem Fieber, begleitet von Kopf- und Muskelschmerzen, Husten und Atemnot. Die meisten Patienten mit SARS entwickeln im Verlauf eine Lungenentzündung.

Wie tödlich ist es? SARS kostete bis Ende Juli 2003 weltweit 774 Menschenleben. Die durchschnittliche Sterblichkeitsrate belief sich auf 9,6 Prozent. Der Erreger von SARS war ein bis dahin unbekanntes Coronavirus, das man mittlerweile als SARS-assoziiertes Coronavirus (SARS-CoV) bezeichnet und das dem Erreger der aktuellen Pandemie SARS-CoV-2 ähnelt.

Schnupfen - Risikogruppe 2

Was macht es? Humane Rhinoviren (HRV-A/B/C) sind hauptverantwortlich für Schnupfen und andere Erkältungssymptome wie Halsschmerzen, Husten und Heiserkeit.

Wie tödlich ist es? Rhinovirus-Infektionen verlaufen jenseits des Kindes­alters in der Regel mild oder ohne Beschwerden. Für Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen können sie laut Wissenschaftlern der Medizinischen Universität Wien jedoch gefährlich oder sogar lebensbedrohlich werden. Außerdem sind bestimmte Rhinoviren für bis zu 80 Prozent aller Asthmafälle verantwortlich.

Schweinegrippe - Risikogruppe 1

Was macht es? Die Porcine Influenza, auch als Schweinegrippe bezeichnet, wird durch Influenza A-Viren verursacht (H1N1), die ebenfalls bei Menschen zirkulieren. Die Krankheitsschwere ist oft mit einer saisonalen Grippeerkrankung vergleichbar.

Wie tödlich ist es? Die Anzahl der Todesfälle durch die Schweinegrippe belief sich in Deutschland bis zum 20. April 2010 auf 253. Im August 2010 erklärte die WHO die Pandemiephase der Schweine- oder H1N1-Grippe für beendet. Insgesamt kostete H1N1 mindestens 18 449 Menschenleben.

Tollwut - Risikogruppe 3**

Was macht es? Tollwut wird durch das Lyssavirus verursacht, die zur Familie der Rhabdoviren (RABV) gehören und das sich im Speichel infizierter Tiere befindet. Es wird meist durch den Biss von Säugetieren wie Hunden und Füchsen auf den Menschen übertragen. Die ersten Anzeichen einer Tollwut können sehr unspezifisch sein, z. B. Kopfschmerzen und Appetitlosigkeit. Fieber ist nicht immer anzutreffen. Zudem kann die Wunde mehr oder weniger stark brennen und jucken.

Wie tödlich ist es? Tollwut kann – auch noch nach der Übertragung – durch Impfung verhindert werden, verläuft aber in der Regel tödlich, sobald typische Krankheitszeichen (z.B. Lähmungen, Krämpfe, Lichtscheu und Abneigung gegen Wasser) aufgetreten sind. Im Jahr 2018 wurde dem RKI keine Erkrankung an Tollwut übermittelt. In Deutschland sind seit dem Jahr 2001 insgesamt sechs Tollwuterkrankungen übermittelt worden. Zuletzt verstarb im Jahr 2007 ein 55-jähriger Mann an Tollwut, nachdem er von einem streunenden Hund in Marokko gebissen worden war. Nach Schätzungen der WHO sterben weltweit jährlich 59 000 Menschen an Tollwut, wobei von einer erheblichen Dunkelziffer, insbesondere in Asien und Afrika, ausgegangen werden kann.

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