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Ist das Coronavirus jetzt noch zu stoppen?

Wer ist besonders häufig vom Coronavirus betroffen, wie schütze ich mich am besten, was soll ich im Verdachtsfall tun und bekomme ich das Eintrittsgeld zurück, wenn eine Veranstaltung aufgrund von Corona abgesagt wird? 

Das Robert-Koch-Institut weist aktuell nochmals darauf, dass bei der Mehrheit der Coronavirus-Fälle milde bis keine Symptome auftreten. Aber: Die Mortalitätsrate (Todesfälle) ist höher als bei der Grippe. Ein Grund dafür ist, dass die genaue Zahl der Corona-Infektionen nicht bekannt ist – eben weil die Mehrzahl der Erkrankungen symptomlos verläuft. Der andere Grund ist, dass es einen wirksamen Grippe-Impfschutz gibt, dadurch sinkt die Infektions- und damit auch Mortalitätsrate bei Grippe deutlich.

Für wen ist Coronavirus gefährlich?

Eine Analyse chinesischer Behörden von mehr als 44 000 mit dem Virus infizierten Patienten ergab, dass Männer ein weitaus höheres Risiko haben, an einer Infektion mit dem Coronavirus zu sterben als Frauen. Auch das Alter scheint eine Rolle zu spielen: je älter, desto höher das Todesrisiko.

Den Daten zufolge steigt ab einem Alter von 50 Jahren das Risiko, an der Infektion zu sterben, deutlich an. Am stärksten gefährdet sind Menschen ab 80.

„Insgesamt sind die Sterblichkeitsraten hier bei beiden Geschlechtern relativ gering und liegen nicht höher als bei vielen Influenza-Epidemien“, sagt Dr. Florian Schlenk, Oberarzt der Notaufnahme am Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin.

Ist das Coronavirus jetzt noch zu stoppen?

Nein, sagt Jonas Schmidt-Chanasit (40), Virologe und Hochschullehrer an der Universität Hamburg.  „Es ist unwahrscheinlich, dass wir die Ausbreitung des Virus in Deutschland noch stoppen können.“ Das bestätigte auch Prof. Rolf Hilgenfeld, Direktor des Instituts für Biochemie der Uni Lübeck.

Die Ausbreitung hänge aber nicht mit der Effektivität der deutschen Schutzmaßnahmen zusammen. Virologe Schmidt-Chanasit: „Selbst wenn wir alle Grenzen schließen und den internationalen Flugverkehr einstellen würden, könnten wir die Ausbreitung nur deutlich verlangsamen.“

Das Tückische: Einige Menschen tragen das Virus in sich, zeigen selbst aber keine Symptome! Der Virologe: „Aktuell sehen wir nur die Spitze des Eisbergs und wissen noch nicht, wie es sich weiterentwickelt.“

Ist jetzt Panik angebracht?

Schmidt-Chanasit: „Nein! Die Hauptmasse der Infizierten wird das Virus für einen einfachen Schnupfen halten. Gefährlich ist es für ältere und bereits vorerkrankte Menschen. Jetzt gilt, diese besonders gut zu schützen und diagnostizierte Corona-Patienten von Risikoträgern zu trennen.“

Sind Krankenhäuser in Deutschland gut auf eine mögliche Epidemie vorbereitet?
Nach Einschätzung des Marburger Bundes: Ja. Die Kliniken verfügten über klare Strukturen dazu, was im Fall von Infektionen zu tun sei, sagte die Vorsitzende des Ärzteverbands, Susanne Johna. Dabei gehe es etwa um die Wegeführung im Krankenhaus sowie um die Unterbringung der betroffenen Patienten in Einzelzimmern mit Nasszelle. „Wir sind in Deutschland gut aufgestellt, aber wenn das Infektionsgeschehen außer Kontrolle gerät und Infektionsketten nicht sicher nachvollzogen werden können, wird es schwerer, die Krankheit einzudämmen.“

Wie verläuft die Krankheit?

Dr. Susanne Huggett, Leiterin der Krankenhaushygiene und Infektionsprävention der Asklepios-Kliniken: „In den ersten Tagen sind die Symptome wie bei einer Grippe, also unspezifisch. Wenn die Infektion jedoch tief in die Atemwege eindringt, Patienten eine Lungenentzündung entwickeln, dann ist das eine Komplikation und weitere Untersuchungen sind notwendig. Es ist zwar möglich, dass Grippe-Patienten eine Lungenentzündung entwickeln, aber wenn die betroffene Person Kontakt zu Menschen aus Asien hatte, liegt der Verdacht nahe bzw. ist es möglich, dass es sich um eine Infektion mit dem Coronavirus handelt.“

Wie unterscheiden sich Erkältung und Grippe?

Dr. Susanne Huggett: „Husten, Gliederschmerzen, Schnupfen, Krankheitsgefühl – das Tückische an dem Virus ist, dass es sich durch genau diese Symptome bemerkbar macht. Also wie bei einer klassischen Grippe. Und eine Unterscheidung ist daher nicht einfach. Deshalb ist es enorm wichtig, dass genau geprüft wird, welchen Kontakt Betroffene bzw. Verdachtsfälle hatten, also ein Check der sogenannten anamnestischen Angaben. Prüfen, ob es konkret einen Kontakt zu Menschen, die aus Asien kommen, gegeben hat.“

„Coronaviren verändern sich weniger als Grippeviren“, erklärt Prof. Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI).

Wie schütze ich mich vor einer Ansteckung?

Den besten Schutz bietet gründliches Händewaschen! Benutzten Sie Taschentücher nur einmal, waschen Sie sich nach Kontakt mit Personen die Hände. Für unterwegs empfiehlt sich flüssiges Desinfektionsmittel. „Wichtig ist jedoch, dass es sich um ein alkoholisches Desinfektionsmittel handelt, das speziell für die Hände geeignet ist“, sagt Hugget.

Ist der Mund-Nasen-Schutz ein guter Schutz?

Atemschutzmasken können das Risiko einer Ansteckung für gesunde Personen nicht sonderlich minimieren. Dennoch ist der Ansturm auf die Masken groß: „Es gibt eine stärkere Nachfrage nach Atemschutzmasken. Seit Anfang Februar werden sie knapper“, sagt Dr. Reiner Kern, Sprecher des Apothekerverbands ABDA.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) bestätigte jedoch, dass bei akut erkrankten Menschen ein Mund-Nasen-Schutz sinnvoll sein kann, damit sie die Tröpfchen nicht an ihre Mitmenschen weitergeben. Laut RKI kann das zum Beispiel ein Mundschutz sein, wie ihn Chirurgen tragen. Der müsse aber eng anliegen und müsse gewechselt werden, wenn er feucht ist.

Wann bin ich ein Verdachtsfall?

Prof. Wieler, RKI: „Es gibt zwei Kriterien. Man war innerhalb der vergangenen 14 Tage in einem Corona-Risikogebiet oder man hatte Kontakt zu einem positiv-getesteten Patienten. Nach Fällen in Deutschland soll bei Grippesymptomen (hohes Fieber, Husten etc.) auch immer auf Corona getestet werden.“

Was tun, wenn ich Verdacht auf Corona habe?

Wer Kontakt zu Infizierten hatte, sollte sich unabhängig vom Auftreten von Symptomen bei seinem Gesundheitsamt melden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) rief die Bevölkerung auf, nicht bei jedem Husten zum Arzt zu gehen. Aber: Die Bürger sollten telefonisch Kontakt zu ihrem Hausarzt aufnehmen, wenn sie innerhalb von 14 Tagen nach einer Reise in ein Risikogebiet Fieber, Husten oder Atemnot hätten.

Wichtig: Beim Verdacht einer Infektion sollten sich die Betroffenen nicht ins Wartezimmer eines Arztes setzen! Denn auch dort ist die Gefahr groß, andere Menschen anzustecken. Stattdessen sollten Betroffene sich zuhause untersuchen lassen, sagte Spahn. Bei Verdacht auf Sars-CoV-2 kann der Hausarzt eine Laboruntersuchung veranlassen.

Spahn verwies darauf, dass Krankenkassen die Kosten für Corona-Untersuchungen übernehmen.

Erhöht das aktuelle Schmuddelwetter die Infektionsgefahr?

Es steigt nicht grundsätzlich die Gefahr, sich mit Corona anzustecken. „Aber das allgemeine Infektionsrisiko steigt. Und wenn zu einer anderen Infektion Corona dazukommt, kann der Verlauf der Krankheit schwerer sein oder werden“, erklärt Prof. Klaus-Dieter Zastrow, Chefarzt des Hygieneinstituts Berlin.

Das Virus wird über Tröpfen-Infektion übertragen. Wärmeres Wetter verringert die Fähigkeit des Virus, sich zu verbreiten. Tröpfchen, die den Virus enthalten, werden bei erhöhter Luftfeuchtigkeit und Temperatur schwerer. Dadurch verkürzt sich die Distanz, die sie in der Luft verbringen können, und damit sinkt die Ansteckungsgefahr.

Zudem verbringen die Menschen bei höheren Temperaturen weniger Zeit in geschlossenen Räumen, in denen das Virus durch den geringeren Luftaustausch leichter übertragen wird. Bei Schmuddelwetter halten sich die meisten Menschen wieder vermehrt drinnen auf, dadurch steigt die Infektionsgefahr potenziell.

Bin ich nach einer überstandenen Infektion immun?

Prof. Zastrow: „Ja, man ist nach einer Infektion immun. Aber ob es fürs ganze Leben ist oder ob die Immunisierung wieder endet, kann im Moment noch nicht gesagt werden.

SARS breitete sich von November bis zum Sommer des Folgejahres aus. Wie lange könnte das Corona-Virus überleben, vielleicht sogar dauerhaft?

Nach Aussagen von Prof. Zastrow, gibt es auch das SARS-Virus noch, ähnlich wie Ebola. Es tritt nur nicht auf, überlebt aber.

Wann wird es einen Impfstoff geben?

Ein wirksamer Impfschutz gegen das Corona-Virus ist noch nicht in Sicht! „Für den aktuellen Ausbruch werden wir keinen Stoff mehr entwickeln, das dauert noch Monate“, sagt der Hamburger Virologe Jonas Schmidt-Chanasit.

Aber: Derzeit warten die deutschen Mediziner auf Studien aus China, die die Wirksamkeit von bereits zugelassenen Medikamenten bestätigen könnten, z. B. von dem Malaria-Medikament Resochin oder dem Medikament Kaletra, das gegen HIV eingesetzt wird.

Wie lange wird uns die Epidemie noch beschäftigen?

Zastrow: „Zwei bis drei Monate bestimmt. Dann nimmt auch die Immunität in der Bevölkerung zu. Entweder nach überstandener Krankheit. Oder durch die sogenannte ‚Stille Feihung‘: Man kommt mit dem Virus in Kontakt, ohne es zu merken und ohne Krankheitssymptome. Aber das Abwehrsystem bildet Antikörper und man ist immun.“

Muss ich mir Sorgen machen, wenn ich Pakete aus China annehme?

„Nein“, sagt Dr. Huggett, „aber man sollte sich in jedem Fall nach dem Öffnen des Kartons die Hände sorgfältig waschen. Schließlich weiß man nicht mit welchen Oberflächen der Karton in Kontakt kam. Man kann sich über Atemsekret, aber auch Tröpfen- bzw. Schmierinfektion mit dem Virus infizieren.“

Werden Eintrittskarten abgesagter Events erstattet?

Rechtsanwalt Arndt Kempgens: „Auch bei nicht durchgeführten oder abgebrochenen Veranstaltungen bekommt der Karteninhaber sein Geld zurück. Auch wenn der Veranstalter überhaupt nichts an dem Abbruch ändern kann, muss er den Ticketpreis erstatten. Ticketinhaber bekommen dann aber keinen weiteren Schadenersatz (unnötige Hotelreisen, Anreisekosten), da hierfür ein Verschulden des Veranstalters erforderlich wäre.“

Was droht, wenn ich trotz Kenntnis einer Infektion keine Vorkehrungen treffe?

Kempgens: „Wer weiß, dass er infiziert ist, aber keine Vorkehrungen trifft, kann sich unter Umständen strafbar machen, wenn er andere Personen ansteckt. Es sind Verfahren möglich wegen Körperverletzung oder fahrlässiger Körperverletzung. (§§ 223, 229, 230 StGB) Körperverletzung ist aber ein sog. Antragsdelikt und wird meist nur auf ausdrücklichen Strafantrag von Polizei und Staatsanwaltschaft verfolgt. Infizierte können in solchen Fällen auch Schmerzensgeldansprüche von dem direkten Verursacher fordern (§ 253 BGB).“

Wer übernimmt die Kosten, wenn ich in Quarantäne muss?

Hotel, Rückflüge oder auch Hundesitter zu Hause – wer so seinen Urlaub verlängern muss, hat auch Mehrkosten.

Rechtsanwältin Nicole Mutschke: „Höchstwahrscheinlich werden sowohl Pauschal- wie auch Individual-Reisende auf diesen Kosten sitzen bleiben. Denn auch Pauschalreiseveranstalter müssen keinen Schadensersatz leisten, da hier wohl unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände vorliegen. Eine Ausnahme könnte es für Pauschaltouristen geben, wenn die Rückbeförderung Teil der Reiseleistung ist. Dann könnten die Kosten von drei Übernachtungen geltend gemacht werden.“

Rechtsanwalt Alexander Bredereck: „Man bekommt kein Arbeitsentgelt, soweit man nicht erkrankt ist. Doch man hat einen Entschädigungsanspruch für die Zeit der Quarantäne gegen das jeweilige Bundesland. Entschädigung wird bis zur sechsten Woche der Quarantäne in Höhe des Verdienstausfalles geleistet. Ab der siebten Woche dann in Höhe des Krankengeldes.“

Wird man unter Quarantäne krankgeschrieben?

Krankgeschrieben wird nur derjenige, der arbeitsunfähig ist. Unter Quarantäne stehende Gesunde werden nicht krankgeschrieben.

Nicole Mutschke: „Urlaub muss man aber nicht nehmen bzw. verfällt nicht. Man bekommt aber eigentlich kein Arbeitsentgelt.“

Muss ich Urlaub nehmen, wenn ich in Quarantäne bin?

Rechtsanwalt Alexander Bredereck: „Nein, man muss keinen Urlaub nehmen, aber bekommt auch kein Arbeitsentgelt, soweit man nicht erkrankt ist. Doch man hat einen Entschädigungsanspruch für die Zeit der Quarantäne gegen das jeweilige Bundesland.“

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