Gesundheitsblog

Coronavirus - Der Weg zum Impfstoff ist lang

Neue Lungenkrankheit aus China

Um einen Coronavirus Impfstoff herzustellen, braucht es ein Stück vom Virus, etwa ein Protein aus der Hülle des Erregers. Wird dieses Protein in den Körper eines Menschen gespritzt, reagieren bestimmte Immunzellen im Blut, produzieren Antikörper und beseitigen den Eindringling. Außerdem „merken” sich die Zellen das Virusprotein.

Impfstoff-Produktion für Millionen kostet Zeit

Greifen nun Viren den Körper an, in deren Hülle dieses Protein vorkommt, erkennen die Immunzellen es wieder und reagieren sehr viel schneller und können den Körper so gut schützen, dass er nicht mehr erkrankt.

Der Haken ist, dass die Produktion der Proteine in großen Mengen, also für viele Millionen Impfdosen, Zeit kostet. Mitunter muss erst eine Fabrik gebaut werden, in der Zellkulturen das Protein in ausreichender Menge produzieren. Insbesondere während einer Epidemie wie jetzt in China ist Zeit jedoch knapp.

Curevacs Technik spart diese Phase ein. Der Biologe und Firmengründer Ingmar Hoerr entdeckte während seiner Doktorarbeit an der Universität Tübingen, dass es ausreicht, die Bauanleitung für ein Protein in den Körper zu spritzen, die so genannte Boten-RNA, um eine Immunreaktion auszulösen. Offenbar übersetzen die Zellen diese Boten-RNA selbst in das Protein, das dann von Immunzellen als fremd erkannt wird und das Immungedächtnis aufbaut.

„Diese Technik ist für verschiedene Erreger immer die gleiche”, sagt Mariola Fotin-Mleczek, Vorstandsmitglied von Curevac. Selbst wenn das Virus völlig neu ist, so wie Coronavirus 2019-nCoV, lässt sich im Prinzip immer die zu einem Virusprotein passende RNA produzieren, um einen Impfstoff daraus zu machen.

„Wir müssen nur die Erbgut-Sequenz des Virus kennen und wir müssen eine Vorstellung davon haben, welches Virus-Protein eine Immunreaktion hervorruft und Schutz gegen die Viren vermitteln kann.”

Beim Coronavirus weiß man aufgrund der Erfahrungen mit dem eng verwandten Sars-Virus, ebenfalls ein Coronavirus, das 2002/2003 eine Epidemie auslöste, dass ein Glycoprotein des Virus sich als Impfstoff eignen könnte. Wie man die RNA, die für dieses Glycoprotein kodiert, dann verpackt und schützt, damit sie unbeschadet in die Zellen gelangt und die Immunreaktion auslöst, das hat die Firma in den vergangenen Jahren bereits geklärt.

Medikamente gegen die Viren gibt es noch nicht

Aber selbst wenn erste Tests eines RNA-Impfstoffs gegen Coronaviren am Menschen bald stattfinden sollten, wird es sicher noch Monate dauern, bis die Wirksamkeit festgestellt, große Mengen produziert und ein Impfstoff eingesetzt werden kann. Oder länger, wenn es Probleme geben sollte. “Wir sind noch immer in einer frühen Entwicklungsphase”, sagt Oostvogels.

Solange es noch keinen Impfschutz gibt, sind die Ärzte gefragt. Bislang können sie für die Patienten wenig mehr tun, als ihnen Flüssigkeit zuzuführen, sie zu beatmen und mit anderen Methoden den Selbstheilungsprozess, den Kampf des Immunsystems gegen die Viren zu unterstützen. Doch antivirale Medikamente, die auch gegen Coronaviren wirken könnten, sind bereits in Entwicklung – ebenfalls von einer Tübinger Biotech-Firma.

Anstatt Viren mit irgendwelchen Wirkstoffen direkt zu bekämpfen, gegen die die Erreger ohnehin rasch resistent würden, konzentriert sich die Forschung von Atriva auf körpereigene Stoffe (MEK genannt) in den Zellen, ohne die sich Viren wie Influenza, Sars, Mers und andere Viren mit RNA-Erbgut nicht vermehren können.

Gründliche Hygiene schützt auch gegen Grippe

Solange kein verlässlicher Schutz gegen den neuartigen Erreger gefunden ist, sollte besonders auf die gängigen Hygienemaßnahmen geachtet werden, mahnen Experten.

Wer sich regelmäßig und gründlich die Hände wäscht, in ein Taschentuch oder die Armbeuge hustet oder niest und in Menschenmengen möglichst Abstand zu anderen Personen hält, kann das Risiko einer Ansteckung mindern. Das gilt auch für den Schutz vor der Grippe, die in Deutschland aktuell ein ernstzunehmenderes Problem darstellt als das Coronavirus.

Tags

Weitere Artikel

Auch interessant

Close
Back to top button